www.spielkult.de  

Kontakt    Impressum

Suche

 
   START | SPIELETESTS | VIDEOS | EXTRAS | LINKS | TREFF
    Themen          A bis Z          Neuheiten          Verlage          History  
 
 
Zurück zur Übersicht

Spiel-Fakten:

FamilieStrategie & AufbauWissen & RatenParty & KommunikationLogik & Kombination
KinderKartenWürfel & GlückAktion & GeschicklichkeitLernen

Genre: Strategie
Erscheinungsjahr:
2017
Verlag: eggertspiele / Pegasus Spiele 
Autoren: Michael Kiesling, Andreas Schmidt
Grafik: Fiore GmbH
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 bis 90 Min.

Einstiegslevel:
   

 
 Glück

Taktik 

leer
     
Anzeige  
 
 

 

 

 
Heaven & Ale
...

Hopfen und Malz - Gott erhalt's!

Hat der alte Kellermeister - sich doch einmal wegbegeben! Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben!
 

 
... Tja, wenn das mal so einfach wäre. Unser ehrwürdiger Abt hat uns mit der Aufgabe betraut, aus dem alten Krautacker einen prächtigen Klostergarten zu machen und mit den darin wachsenden Rohstoffen das beste Bier seit Beginn der christlichen Seefahrt zu brauen. Aber irgendwie fehlt es immer an allen Ecken und Enden. Die Pflanzen wollen nicht so wie wir es wollen, das Geld ist notorisch knapp und das Klosterpersonal viel zu behäbig. Nur gut, dass die anderen auch nur mit Maische kochen …

So funktioniert's:
Herzlich Willkommen in der SPIELKULT-Getränkeberatung! Sie suchen das passende Genussmittel zum Spieleabend? Dann sind Sie bei mir richtig! Wenn Sie mir bitte folgen würden…

Nachdem wir neulich an dieser Stelle schon das Beer Empire (> Testbericht) und just vor ein paar Tagen dann das Kaffee-Spiel Seize the Bean (> Testbericht) vorgestellt haben, ist es nun mal wieder an der Zeit, einen weiteren spielerischen Blick auf den allseits beliebten Gerstensaft zu werfen. Und was würde besser zum Thema Bier passen als eine Klosterbrauerei? Also verkörpern wir in Heaven & Ale einen Abt, der sich zum Ziel gesetzt hat, "das beste Bier auf Gottes Erden zu brauen und unter das Volk zu bringen." Nun denn.


Zu Beginn des Spiels ist der Klostergarten noch leer, doch nach und nach füllt er sich mit Rohstoffplättchen, Scheunen und Mönchen.

Wie es sich für ein kleines Kloster mit Braumeisterambitionen gehört, hat jeder Spieler ein persönliches Tableau vor sich liegen, das seinen Klostergarten darstellt. Dieses Gartenareal ist mit Hexfeldern überzogen und teilt sich in eine helle Sonnenseite und in eine dunklere Schattenseite auf. Sieben gleichmäßig verteilte Scheunenfelder runden das klösterliche Ensemble dabei ab. Hier werden wir in den kommenden drei bis sechs Runden (je nach Spielerzahl) möglichst viele Rohstoffe anbauen, Mönche an die Arbeit kriegen und Scheunen errichten, um am Ende ein feines Bier im Keller zu haben.

Alles, was man für das Bierbrauen benötigt und wir zu diesem Zwecke in unseren Garten verfrachten müssen, finden wir auf dem zentralen Spielplan. Auf einem 28 Felder langen Rundkurs werden dazu in jeder Runde Plättchen verteilt, die wir anschließend erwerben und in unsere Gärten legen können. Den weitaus größten Teil dieser Felder machen dabei die Rohstoffplättchen zur Bierherstellung aus. Mit Hopfen, Gerste, Wasser, Hefe und Holz (für die Fässer) stehen uns fünf Ressourcen für die Produktion des hochgeschätzten Getränks zur Auswahl. Auf vier weiteren Feldern liegen in jeder Runde Mönchsplättchen, die wir ebenfalls anheuern und in unseren Garten schicken legen können. Die Wertungsscheiben- und Fassfelder haben hingegen eine andere Funktion, doch dazu später mehr.



Ausgestattet mit einem Startkapital von 25 Dukaten, einem Meeple und einem Satz von fünf unterschiedlichen Privilegkarten machen wir uns also auf, die beste Klosterbrauerei diesseits der Goldenen Pforte zu werden. Der Zug eines Spielers ist dabei denkbar einfach. Der jeweils aktive Spieler nimmt seine Figur und setzt sie beliebig viele Felder auf dem Rundkurs des Spielplanes weiter. Auf dem so gewählten Feld muss er nun die dazugehörige Funktion ausführen, was im Falle der Rohstoff- und Mönchsfelder heißt: mindestens ein dort liegendes Plättchen kaufen. Ist es ein Mönchsplättchen, wird der zwischen 1 und 4 Dukaten liegende Preis vom darunterliegenen Feld bestimmt. Bei Rohstoffplättchen steht der Preis dagegen direkt auf dem Plättchen und variiert zwischen 1 und 5 Dukaten. Einmal erworbene Plättchen müssen sofort auf eines der Felder des eigenen Klostergartens gelegt werden. Dabei ist es allerdings so, dass der einfache Preis des Plättchens nur gilt, wenn man das gerade erworbene Teil auf die Schattenseite seines Gartens legt. Möchte man es auf die Sonnenseite platzieren, wird der doppelte Preis fällig, was bei einem 5er-Hopfenplättchen dann mit 10 Dukaten zu Buche schlägt.

Dieser happige Preisaufschlag hat natürlich auch einen Grund. Denn alles, was ich auf der Schattenseite anbaue, wächst und gedeiht nur so mittelprächtig. Für mein Sudhaus langt das nicht, aber immerhin kann ich die Erträge der Schattenseite noch zu Geld machen. Alles auf dieser Seite bringt mir also im weiteren Verlauf (nur) neue Dukaten ein; unabhängig von der abgebildeten Rohstoffart. Aktiviere ich auf meiner Schattenseite beispielsweise meine Gerstenplättchen mit den Werten 1, 2 und 4, erhalte ich 7 Dukaten aus dem Vorrat. Anders sieht es natürlich auf der Sonnenseite aus. Alles, was ich hierhin lege, entwickelt sich so gut, dass ich es in meinem Braukeller zu gutem Bier weiterverarbeiten kann. (Fragt jetzt bitte nicht, warum ich Hefe im Klostergarten anbaue. Das Mittelalter ist eben voller bislang unerforschter Geheimnisse.) Dementsprechend würden die vorgenannten Gerstenplättchen auf meiner Sonnenseite bei Aktivierung keine Dukaten abwerfen, sondern meinen Gerstenmarker sieben Schritte auf der Produktionsleiste nach vorne bringen.



Diese Produktionsleiste befindet sich auf jedem Spielertableau und stellt sozusagen den persönlichen Braukeller dar. Auf dieser Leiste befinden sich zunächst mal fünf getrennte Felder für die fünf unterschiedlichen Rohstoffmarker, die jeder Spieler zu Beginn erhalten hat und die eben die fünf benötigten Rohstoffe Hopfen, Gerste, Wasser, Hefe und Holz repräsentieren. Am oberen Ende dieser Startfelder schließt sich eine Skala mit von 1 bis 20 durchnummerierten Fässern an. Ganz hinten, am unteren Ende, ist dagegen noch ein Startfeld für den eigenen Braumeister angelegt. Bewegt man nun einen Rohstoffmarker, lagert man sozusagen mehr von diesem Rohstoff ein. Mit sieben Schritten des Gerstenmarkers habe ich daher schon eine ganze Menge Gerste für die Bierproduktion herangeschafft. Grundsätzlich ist es also immer gut, wenn man mit einem Marker oder dem Braumeister Schritte zurücklegt.

Jetzt wäre es natürlich schön, wenn jedes Mal wenn ein Rohstoff- oder Mönchsplättchen in den Klostergarten gelegt wird, dieses auch sofort gewertet würde. Ganz so bequem und vor allem so ertragreich war das Mittelalter aber nun mal nicht. Damit der Klostergarten, oder besser gesagt, Teile des Klostergartens Erträge abwerfen, muss man nochmal extra tätig werden. So ein Hopfengarten erntet sich halt nicht von selbst. In Heaven & Ale gibt es hierfür auf dem zentralen Spielplan die Wertungsscheibenfelder. Setze ich nämlich meine Spielfigur auf ein Wertungsscheibenfeld, darf ich mir ebendiese Scheibe (kostenlos) schnappen und damit eine Wertung in meinem Klostergarten durchführen. Je nach Art des Wertungsscheibenfeldes darf ich mir dabei eine Kategorie meines Klostergartens aussuchen: entweder wähle ich einen der vier unterschiedlichen Mönche im Spiel, eine der fünf Rohstoffsorten oder aber einen beliebigen Wert, der dann in allen fünf Rohstoffarten zur Wertung kommt. Entscheide ich mich beispielsweise dazu, alle Hopfenplättchen meines Klostergartens zu werten, erhalte ich umgehend deren Erträge. Liegen in meinem Garten also zwei Hopfenplättchen mit den Werten 1 und 4 auf der Schattenseite und drei weitere mit den Werten 1, 2 und 5 auf der Sonnenseite, so erhalte ich nun 5 Dukaten und mein Hopfenmarker darf 8 Schritte auf der eigenen Produktionsleiste vorangehen.



Nun haben die Wertungsscheiben allerdings einen Haken. Man darf jede Wertungskategorie im Spiel nämlich nur ein einziges Mal werten. Auf der rechten Seite des Klostergartens ist zu diesem Zweck für alle zehn Wertungskategorien jeweils ein Symbol abgebildet. Habe ich wie im Beispiel gerade Hopfenplättchen gewertet, lege ich die Wertungsscheibe, die ich auf dem Spielplan erhalten habe, auf das Hopfensymbol meines Tableaus. Das heißt: für den Rest dieser Partie kann ich meine Hopfenplättchen nicht mehr werten. Der richtige Zeitpunkt zum Werten der unterschiedlichen Plättchen will also gut überlegt sein. Andererseits winken für fleißiges Werten aber auch diverse Belohnungen. Die zehn Kategorien sind dazu auf dem Tableau zu fünf Paaren zusammengefasst worden. Sobald man beide Kategorien eines Paares gewertet hat, darf man sich einen Bonus aus seinen fünf Handkarten aussuchen und diesen aktivieren. Und diese Boni haben es in sich: von einer kräftigen Finanzspritze über Bonusschritte für Braumeister und Rohstoffmarker bis zu zusätzlichen Siegpunkten ist alles mit von der Partie.

Und wo wir gerade bei Boni sind: diese gibt es auch auf dem zentralen Spielbrett. Neben Rohstoff-, Mönchs- und Wertungsfeldern finden wir auf dem Rundkurs auch zwei Fassfelder. Setzt man seine Figur auf dieses Feld, darf man sich aus zwölf unterschiedlichen, offen ausliegenden Fässern alle nehmen, deren Bedingungen man erfüllt hat. Auch hier werden viele Ziele vergoldet: sei es, dass man beispielweise mindestens sechs Rohstoffplättchen mit dem Wert 1 in seinem Garten hat, alle fünf Rohstoffsorten bereits gewertet oder auch einen Rohstoffmarker schon bis zum Ende der Produktionsleiste gebracht hat. Für jedes Fass winken am Ende des Spiels 4 Siegpunkte – sofern man diese Bedingung als erster für sich reklamiert hat. Der nächste bekommt für dieselbe Leistung nämlich nur noch ein kleines Fässchen im Wert von 2 Siegpunkten; und alle weiteren gehen sogar ganz leer aus.



Nun habe ich bislang viel von Rohstoffplättchen und Markern erzählt, die auf der Leiste nach vorne ziehen. Werte ich Rohstoffplättchen auf der Sonnenseite meiner Parzelle, wandern die entsprechenden Marker die Produktionsleiste herauf. Das machen sie aber auch, wenn ich meine Mönche an die Arbeit kriege. Werte ich nämlich einen Mönchstyp (von denen es vier unterschiedliche, leider namenlose Gesellen im Spiel gibt), so aktivieren diese alle angrenzend liegenden Plättchen, unabhängig von der Sorte. Habe ich also drei pausbäckige, rote Mönche in meinem Garten liegen, so werden bei deren Aktivierung die angrenzenden Plättchen aller drei Mönche aktiviert. Und das können bei geschickter Verteilung im Klostergarten eine Menge Plättchen sein, die Geld und Schritte bringen.



Nur – wie bekomme ich den Braumeister bewegt? Ein Plättchen gibt es für den Kollegen nicht, und trotzdem muss ich ihn möglichst weit auf meiner Produktionsleiste nach vorne bringen. Denn je weiter er fortschreitet, desto erfolgreicher ist er bei der Bierproduktion. Da bekommt das Wort Wissensvorsprung eine ganz neue Bedeutung.

Das Geheimnis des Braumeisters liegt in seinem leicht irrationalen Faible für Scheunen. Quer über unseren Klostergarten verstreut befinden sich nämlich sogenannte Scheunenfelder, die wir nicht mit Rohstoffen oder Mönchen verdecken dürfen. Haben wir aber alle sechs angrenzenden Felder belegt, wird aus dem allgemeinen Vorrat sofort eine Scheune gebaut. Und die bringt uns wiederum auf zweierlei Wege näher ans Ziel. Dafür addieren wir die Werte aller Rohstoffplättchen, die um unsere neue Scheune liegen. Je höher deren Summe ist, desto mehr der umliegenden Felder dürfen wir sofort aktivieren und dafür Geld und Fortschritte auf unserer Skala einstreichen. Unser Braumeister ist dagegen Minimalist. (Ist ja schließlich ein Kloster – da wird aus wenig viel gemacht.) Er bewegt sich nämlich umso weiter die Produktionsleiste hoch, je niedriger die Summe der Ressourcenplättchen um ein Scheunenfeld ist. Komme ich also insgesamt auf einen Ressourcenwert von 23, darf ich drei Plättchen um meine Scheune herum aktivieren, während mein Braumeister nur einen Schritt nach vorne macht. Schaffe ich es aber, nur sieben oder weniger Rohstoffpunkte um mein Scheunenfeld zu scharen, aktiviere ich gar kein Plättchen. Dafür sprintet aber mein Braumeister ganze sechs Felder weiter.



Auch wenn sich die Beschreibung jetzt hochkomplex anhört – so wild ist es nicht. Figur beliebig weit setzen, dann ein Plättchen kaufen und in den Garten legen oder eine Wertung auslösen oder Boni einstreichen. Dabei auf geschickte Anordnung der eigenen Plättchen im Garten achten und möglichst viele Scheunenwertungen auslösen. Das ist eigentlich schon alles. Nach spielerzahlabhängigen drei bis sechs Runden endet das Spiel und die große Endabrechnung steht an. Jetzt entscheidet sich, wer das beste Bier im Klosterviertel gebraut hat. Also Feuer unter die Maischpfanne und los geht’s!

Um ein ordentliches Bier zu brauen brauchen wir alle fünf Zutaten: Hopfen, Malz, Hefe, Wasser und das Holz um daraus ein Fass zu zimmern. Am Ende einer Partie Heaven & Ale werden wir in den allermeisten Fällen aber nicht alles gleichermaßen besitzen. Da ist es gut möglich, dass es unser Hopfenmarker bis auf das Feld 14 geschafft hat, während die Gerste bei 9 und die Hefe vielleicht sogar nur bei der 5 zum Stehen gekommen sind. Nun heißt es: Tauschen was das Zeug hält! Die gesamte Produktionsleiste ist dafür in Bereiche unterteilt, die unterschiedliche Tauschkurse vom schlechten 5:1 bis zum Spitzenkurs von 1:1 markieren. Ja nachdem, in welchem Bereich sich unser Braumeister am Spielende befindet, tauschen wir jetzt überschüssige Ressourcen zum angegebenen Kurs in fehlende Ressourcen. Wir bewegen also im Rhythmus des Tauschkurses unsere Marker aufeinander zu, bis sich alle Rohstoffmarker treffen und keine weiteren Ressourcen mehr getauscht werden können. Da wir ja nur aus allen fünf Zutaten ein Bier brauen können, zählt nun nur die Position des geringsten Rohstoffes auf der Skala.



Jetzt greift der Braumeister ein zweites Mal ein, denn die unterschiedlichen Sektoren auf dem Spielbrett markieren nicht nur den Umtauschkurs, sondern auch die Siegpunktausbeute. Der Bereich mit dem Kurs von 2:1 bietet beispielsweise einen Siegpunktfaktor von 4. Diesen Faktor multiplizieren wir nun mit dem Wert unseres geringsten Rohstoffes. Steht also der niedrigste Rohstoff auf dem Feld 9, haben wir mit unserem Bier 4 × 9 = 36 Siegpunkte zusammengebraut.

Zu dem so ermittelten Wert werden jetzt noch die Bonuspunkte unserer gesammelten Fässer gezählt. Wer nun die meisten Punkte hat, gewinnt die Partie Heaven & Ale und darf sich als größter Klosterbraumeister einen ordentlichen Humpen genehmigen. Prost! [am]
...
 
 ERKLÄRVIDEO
 
 Folgt SPIELKULT.de:
   Facebook     Twitter
     
    Checkpoint
  PLUS:
PLUS:
angenehm kurze Spieldauer
schnelle Züge, wenig Downtime
pfiffiger Abrechnungsmechanismus
auch nach vielen Parteien
   immer wieder herausfordernd
funktioniert in allen
   Besetzungen prima
ENDE
  MINUS:
MINUS:
die vier Mönchstypen sind teilweise
   schwer auseinanderzuhalten
leer
PUNKTE-CHECK:
   SPIELIDEE
      Originalität, Regeln
 
   AUSSTATTUNG
      Material, Umfang
 
   SPIELABLAUF
      Mechanik, Einfluss
 
 
     
André: Als ich zum ersten Mal den Titel des neuen Spieles aus dem Hause Eggert hörte, musste ich unweigerlich an das Kultalbum "Heaven and Hell" der Band Black Sabbath aus dem Jahr 1980 denken. Heaven & Ale? Himmlisch gutes und höllisch starkes Bier? Auch der französische Titel Le Bien et le Malt spielt geschickt mit dem Braumalz und dem Kampf zwischen Gut und Böse. Dabei kommt der Gottseibeiuns im Spiel selbst doch gar nicht vor. Was ist denn dann so teuflisch am friedlichen Bestellen unseres Klostergartens?

Der Spielablauf selbst ist nicht sehr kompliziert. Man zieht seine Figur beliebig weit und nutzt das neue Feld, auf dem ich entweder Plättchen kaufe, eine Wertung auslöse oder mir Bonusfässer schnappe. Der Teufel steckt aber (um im Bild zu bleiben) im Detail. Ein Plättchen in den eigenen Klostergarten legen klingt einfach, ist es aber nicht. Da wollen so viele Dinge bedacht werden, angefangen von der Wahl der Gartenseite. Lege ich meine 4er-Gerste auf die Schatten- oder auf die Sonnenseite? Geld ist notorisch knapp in Heaven & Ale, aber ohne Rohstoffschritte wird es nichts mit unserem Gerstensaft. Und wie ordne ich meine Plättchen an? Will ich einen hohen Ressourcenwert erreichen, damit ich viele Plättchen ein zweites Mal aktivieren kann, oder will ich niedrig bleiben, damit mein Braumeister weiterkommt? Wo lege ich meine Mönche hin, die ja auch noch mal Plättchen aktivieren? Und wo kann ich die besten Synergien erreichen? Diese Entscheidungen sind nicht ohne, und gleichzeitig muss man auch noch das zentrale Spielbrett im Auge haben. Was nützt eine Braumeisterstrategie mit möglichst niedrigen Plättchen, wenn nicht so viele davon ausliegen? Und was sammeln meine Mitspieler für Plättchen? Muss ich mich beeilen, damit ich ein Wunschplättchen bekomme, bevor es mir jemand anderes vor der Nase wegschnappt? Oder riskiere ich es, weil auf dem Weg dorthin noch ein anderes lukratives Feld ist, das ich ungern auslassen möchte? In Heaven & Ale muss in jedem Zug eine Entscheidung getroffen werden, und oft muss man das Beste aus dem machen, was der Spielplan so hergibt. Man weiß im Großen und Ganzen natürlich schon, welche Plättchen mit welchen Werten (noch) im Spiel sind, nur weiß man eben nicht genau, wann sie denn nun ins Spiel kommen. Und vor allem, ob man sie dann auch bekommt.

Ein weiteres Dilemma, mit dem man das ganze Spiel hindurch konfrontiert wird, ist die Sache mit den Wertungen. Natürlich möchte man am liebsten eine Kategorie werten, wenn sie am lukrativsten ist; also meistens zum Spielende hin. Das wollen aber alle Spieler, und pro Runde liegen ja meist nur sechs Wertungsscheiben aus, sodass zum Ende einer Partie ein wahres Rennen um die wertvollen Marker losgeht. Klüger ist es da, manche Kategorien schon früh zu werten, auch wenn der Klostergarten noch nicht viel hergibt. Ein paar Schritte mit dem Wassermarker sind halt immer noch besser als gar keine. Und wer viele Wertungen mitnehmen will, der muss eben früh damit beginnen. Davon mal ganz abgesehen, dass man häufiger, als einem lieb sein kann, aus schierer Notwendigkeit werten muss. Die Boni, die es für erfüllte "Wertungspärchen" gibt, sind nämlich beileibe nicht nur ein nettes Sahnehäubchen. Vor allem die 12 Dukaten, die es einmalig als Bonus gibt, sind oft bitter nötig, um schnell an neues Geld zu kommen. Und die anderen Boni sind ebenso wenig entbehrlich. Wer die fünf Braumeisterschritte oder die Rohstoffschritte liegen lässt, wird es am Ende schwer haben gegen die Konkurrenz.

Und wo wir schon mal beim Leibhaftigen sind, der in Heaven & Ale an allen Ecken und Enden seine Fußangeln ausgelegt hat, dürfen wir die Schlusswertung nicht vergessen. Das Prozedere der Punkteermittlung mit der Feststellung des Tauschkurses, der anschließenden Konvertierung der überzähligen Rohstoffe in fehlende und das Multiplizieren des dann niedrigsten Wertes mit dem freigeschalteten Siegpunktwert – das ist schon nicht ohne. Sicher ist das Verfahren nicht hochkompliziert, aber eben doch ungewohnter als das schlichte Voranschreiten auf einer Punkteleiste. Da muss man das Verfahren auch schon mal zweimal erklären, bevor es bei allen am Tisch "klick" gemacht hat. Dabei finde ich diesen Wertungsmechanismus echt spannend, denn er ermöglicht verschiedene Strategien und Herangehensweisen. Ich kann versuchen, den Braumeister zu pushen, um einen guten Tauschkurs zu erreichen oder ich kann auf Warenproduktion setzen, um möglichst viel Waren für einen möglicherweise schlechteren Tauschkurs zu haben. Durch die Verzahnung von Rohstoff- und Braumeisterfortschritt hat man gleich mehrere Stellschrauben in der Hand, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Das macht es allerdings gleichzeitig auch schwieriger, die Punktestände der Mitspieler einzuschätzen. Natürlich kann man jederzeit sehen, wie weit die Marker der anderen Spieler fortgeschritten sind. Durch eine einzige Wertung oder ein Scheunenplättchen kann sich aber so viel verändern, dass das Vorausberechnen der möglichen Punkte der Gegenspieler schon zur hohen Kunst gerät.

Aber eigentlich will man Heaven & Ale ja gar nicht so verbissen spielen. Wenn alle am Tisch die Regeln beherrschen, lässt sich eine Partie in Vollbesetzung problemlos in 90 Minuten spielen. Der einzelne Zug braucht ja nicht viel Zeit, und während man noch überlegt, wo im Klostergarten man das gerade erworbene Plättchen nun hinlegt, kann der nächste schon ziehen. Abgesehen vom gegenseitigen Blockieren und Wegschnappen von Plättchen auf dem Spielplan ist Heaven & Ale nämlich interaktionsfrei. Darüber hinaus muss man häufig von der Hand in den Mund leben und das nehmen, was gerade im Angebot und vor allem bezahlbar ist. Da ist man schon genug mit sich selbst und dem halbwegs sinnvollen Anbau im eigenen Garten beschäftigt, als dass man sich noch viele Gedanken um die Punktestände der Mitspieler machen kann. Davon abgesehen ist es ja nicht unbedingt das Schlechteste, wenn man sich auch mal von den Punkteständen der Mitspieler überraschen lässt. Das Aus-dem-Bauch-Spielen macht mir persönlich sehr viel Spaß. Für schwere Grübelorgien ist das Spiel einfach zu kurz. Und wenn man mal ein Plättchen total blöd platziert hat – was soll's? Dann macht man es bei der Revanche eben besser. Kurz genug ist eine Partie, sodass man sofort danach prima noch eine zweite dranhängen kann. Neulinge sollten sowieso die allererste Partie unter "Lehrgeld" verbuchen. Ab der zweiten kann man dann aber voll ins Geschehen eingreifen.

Und wie ist Heaven & Ale jetzt so? Mir gefällt es ausgesprochen gut. Es ist anspruchsvoll, aber nicht kompliziert. Die Wertungen und Abrechnungen muss man erstmal verinnerlichen, aber dann fluppt es wunderbar. Es ist spannend durch das gegenseitige Wegschnappen der Plättchen, und trotzdem hat man immer wieder seine Zen-Momente, wenn man mal ein hervorragend passendes Plättchen ergattern und an der perfekten Stelle in seinen Klostergarten legen kann. Vor allem ist Heaven & Ale aber: anders.

In sehr vielen anderen Spielen im Kenner- und Expertensektor hat man nach zwei Partien einen ziemlich guten Überblick darüber, wie der Hase läuft und man fängt an, Züge zu optimieren und das Beste aus jeder Runde rauszuholen. Nicht so im Spiel um den schäumenden Hopfentrunk. Selbst in der achten, neunten und zehnten Partie sitze ich immer noch in meinem Klostergarten und frage mich, wie zum Teufel ich mich jetzt wieder selber in diese Situation hineinmanövriert habe. Und immer, wenn ich meine, ich hätte den Bogen raus, dreht mir das Spiel eine lange Nase. So langsam dämmert mir, warum auch die Unterwelt im Spieltitel vertreten ist …

Alles in allem kann ich Heaven & Ale nur empfehlen. Es spielt sich flott, bietet den Spielern viele Freiheiten, hat einen pfiffigen Abrechnungsmechanismus und sieht auch noch gut aus. Und Bier ist sowieso immer ein prima Thema für ein Brettspiel. Finde ich. Für solch einen schmackhaften Trunk hebe ich gerne 8 Humpen und vergebe genauso viele Kultpunkte. Wohl bekomm's!

 
   KULTFAKTOR
      (Langzeit-)Spielreiz
Ende
 
   KULTFAKTOR: TEAM-TREND 
....
   Andreas
   Ingo
   Matthias
   André
   Karsten
   Carsten
   Nicole
   Timmy
   Ulf
   Ralf
Ende
 
 

   > So testen wir
       
    Alle Spiele
von A bis Z:

 
Auswahl
# A B C
D E F G
H I J K
L M N O
P Q R S
T U V W
X Y Z #
 

 

 

 

 

 
Anzeige

 
 

 

         
     
(C) SPIELKULT.dea> ^^^       Impressum       Datenschutz