www.spielkult.de  

Kontakt    Impressum

Suche

 
   START | SPIELETESTS | VIDEOS | EXTRAS | LINKS | TREFF
    Themen          A bis Z          Neuheiten          Verlage          History  
 
 
Zurück zur Übersicht

Spiel-Fakten:

FamilieStrategie & AufbauWissen & RatenParty & KommunikationLogik & Kombination
KinderKarten
Würfel & GlückAktion & GeschicklichkeitLernen

Genre: Strategie
Erscheinungsjahr:
2018
Verlag: HUCH!
Autor: Stefan Feld
Grafik:
Michael Menzel
Spieleranzahl:
2 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer:

ca. 30 Min. pro Spieler

Einstiegslevel:
   

 
 Glück

Taktik 

leer
     
Anzeige  
 

 

 
Forum Trajanum
...

Veni, vidi, vici?
Ein beliebiger Spätnachmittag im Mai 113 n.Chr. Die Gewittersaison ist gerade angebrochen, aber heute wurde Rom vom Regen verschont. Mächtige Wolkenfetzen schieben sich schwerfällig über die Trajanssäule hinweg ...
 
 
... Die tief stehende Sonne färbt die Wolken in einem leicht beschwipsten rosé. Ein antikes Kaiserwetter. Auf einem Balkon, ganz in der Nähe der Bibliotheken, betrachtet eine Gestalt das geschäftige Treiben in "seinem" Forum, einem Urahn der heutigen Shopping Malls. Die Gestalt trägt ein maximal männliches Gesicht, die stahlblauen Augen haben vielleicht erst gerade eben die Gewitterwolken vertrieben – oder auch beliebige Feinde, wer weiß das schon. Er wirkt wie ein jüngerer und trainierterer Bruder von George Clooney, wie er für die Rolle des Thronerben in Gondor problemlos gecastet worden wäre. Er trägt ein leichtes Leinenhemd und darüber einen goldenen Brustpanzer. Darauf winken sich zwei geflügelte Pferde zu und darüber scheint ein Pausbäckchen gerade die Luft anzuhalten, was bei den meisten Männern komisch aussähe - bei ihm sieht das nach purer Macht aus, die Macht eines Princeps – des Optimus Princeps Trajan.



"Forum Trajanum" gehört zu den Spielen, die vorsichtig aus dem Spieleregal gezogen werden, einfach aus dem Überlebensinstinkt heraus, von dem rund 2 kg schweren Brocken nicht erschlagen zu werden. Dieses hohe Eigengewicht verteilt sich auf Spielplan, mehrere Tableaus, Schieber, Gesandte, Baukräne, Karten, Plättchen, Baumeister, Arbeiter, Assistenten, Tribune, usw. Es hat also alles an Board, mindestens tischfüllend, idealerweise auch abendfüllend zu sein.

Der Autor, Stefan Feld, ist für diese Spezies Mechanismusmonster durchaus berühmt, vielleicht sogar berüchtigt. Des Monsters Zähmung gelingt dann hoffentlich mit einer klugen Spielregel, die aber auf einen ersten Blick mit 48 Seiten etwas verschreckt. Auf den zweiten Blick sind es dann aber "nur" überschaubare 16 Seiten, darauf folgen die englische und französische Übersetzung – in nur einem Heftchen. Es mag sicherlich eine Geschmackssache sein, ob man für jede Sprache ein eigenes, schlankes Regelheft bevorzugt, meistens kommt mit schlankeren Regelheften mehr Übersichtlichkeit.



Das Spielziel ist, grob zusammen gefasst, am Ende die meisten Punkte zu haben. Naja, okay, das wird Feld-Spielen nicht wirklich gerecht. Neuer Versuch: Jeder Spieler macht gefühlt tausend und zwei Dutzend verschiedene Dinge, die hin und wieder zum Gewinn reichen. Jeder Spieler wird zum Vorsteher seiner eigenen Colonia, die möglichst optimal entwickelt werden will. Eine Colonia ist im Prinzip nichts weiter als eine römische Kleinstadt. Die Colonia Ulpia Traiana ist beispielsweise das heutige Xanten. Die Colonias sind schachbrettartig angelegt und verfügen anfangs über 6x6 verdeckte Plättchen, von denen viele nach und nach aufgedeckt werden können und sollen. Es gibt drei Durchgänge mit vier Runden. In jeder Runde werden zwei Straßenkarten gezogen. Für jede aufgedeckte Straßenkarte wird von jedem Spieler von seiner Colonia ein Plättchen aufgedeckt. Wenn die Spieler über einen entsprechenden Joker verfügen, kann ein Plättchen auch von einer beliebigen Straße entfernt werden. Erst nach dem Aufdecken erkennt der spielende Hobby-Cäsar, ob Ressourcen oder Sonderbürger in der aktuellen Runde zur Verfügung stehen. Hier steht schon die erste knifflige Entscheidung an: Man behält nur ein Plättchen, das ungewollte geht an den rechten Nachbarn. Selbstverständlich bedeutet das auch, dass man von seinem linken Nachbarn ein zweites dazu bekommt, sodass man wieder eine Auswahl hat.



Mit den Sonderbürgern kann man im linken Bereich der eigenen Colonia unterschiedliche Zusatzfähigkeiten freischalten. Zusätzlich entstehen sowohl vertikal als auch horizontal Möglichkeiten zusätzlicher Siegpunkte bei entsprechenden Anordnungen von Gebäuden.

Die Ressourcen sind keine Baustoffe, wie sonst öfters bei vergleichbaren Spielen, sondern ganz erzkapitalistisch Geld und Mitarbeiter. Das Geld wird benötigt, um vor der Wertungsphase nicht etwa die Mitarbeiter, sondern vielmehr die oben beschriebenen Bürger zu bezahlen. Die Mitarbeiter sind nicht nur sehr genügsam, sondern quasi schon Ehrenamtler. Sie bauen in nie endenden Fleiß unterschiedliche Gebäude, die das gemeinsame Leben in unserer Colonia erst lebenswert machen.



Die Baumeister, ganz in grau gekleidet, bauen die öffentlichen Gebäude: Siegessäulen, Basilika, Bibliotheken und Märkte. Die Arbeiter in grünen Overalls bauen ausschließlich Parks, entsprechend bauen die roten Arbeiter Häuser, die gelben Stallungen und die blauen Brunnen. Der Tribun kann es sich leisten, in der weißen Sonntags-Tunika inmitten der Arbeiterschar aufzukreuzen, da er nichts baut. Er verleiht seinem Spieler die Flexibilität entweder eine Straßenkarte zu ignorieren und ein beliebiges Coloniaplättchen aufzudecken oder ein zweites Coloniaplättchen pro Runde einsetzen zu dürfen. Beides ist wertvoll und sollte mit Bedacht genutzt werden.



Durch das Aufdecken der eigenen Plättchen entstehen freie Bauplätze in der eigenen Colonia. Auf diese freien Bauplätze bauen die Arbeiter die oben erwähnten Gebäude. Die Gebäude sind verfügbar als Einzelbauplättchen oder Doppelbauplättchen. Durch den Bau der Gebäude erhalten die Spieler die entsprechen Bauprämien; für die grauen Gebäude unterscheiden sich diese am stärksten. Es gibt für die Bibliothek/Basilika und den Markt jeweils eigene Prämienleisten. Mit jedem gebauten Gebäude darf man seinen Marker ein Feld weiter ziehen. Ab dem zweiten Feld jeder Leiste darf man immer aussuchen, ob man die gerade erreichte oder eine vorherige Prämie nutzen möchte. Ab dem vierten Feld kann kein weiterer Bonus über dieses Gebäude erreicht werden, der Marker wird zur Trajanssäule gestellt und erhöht die Punkte, die man durch den Bau weiterer Siegessäulen bekommt.



Die Bauprämien der Privatgebäude (also aller bunten Gebäude) holt sich jeder Spieler am gemeinsamen Markt ab. Dieser Markt wird aus bis zu fünf Fertigbauteilen für jedes Spiel neu ausgelegt. Dadurch bekommt jedes neue Spiel ein anderes, individuelles Farbmuster aus den Farben, die man schon von den Arbeitern und Häusern kennt. Für jedes Haus einer Farbe, bekommt man einen gleichfarbigen Marktplatz.



So entsteht dann eine Art Tetris-Mini-Spiel im Spiel. Nur eben nicht mit der Form der Marktstände, sondern mit der Farbe. Man spielt nämlich immer mindestens auf ein leeres Farbfeld, zumeist auf ein begonnenes Farbfeld, idealerweise aber auf ein durch diesen Zug komplettiertes Farbfeld. Das hat durchaus hohes Ärger-Potential, wenn man dem Mitspieler einen erhofften Weg verbaut. Der komplettierende Spieler bekommt selbstverständlich eine von mehreren fest zur Auswahl stehender Prämien, vom Assistenten bis zu Siegpunkten ist alles dabei. Nach den Aktivitäten am Markt steht dann das Zugende und/oder Rundenende an. Dabei stehen dann unterschiedliche Siegpunkt-Berechnungen, Zahlungen oder die Weitergabe des Startspielers an. [jr]
 
Links
 Folgen Sie SPIELKULT.de:
   Facebook   Twitter
     
    Checkpoint
  PLUS:
PLUS:
gekonnt verzahntes Strategiespiel
liebevoll ausgestattetes
   historisches Setting
keine Schummelschachtel:
   fast zu 100 Prozent gefüllt
ENDE
  MINUS:
MINUS:
die Einstiegshürde
die Einstiegshürde
die Einstiegshürde ...
eer
PUNKTE-CHECK:
   SPIELIDEE
      Originalität, Regeln
 
   AUSSTATTUNG
      Material, Umfang
 
   SPIELABLAUF
      Mechanik, Einfluss
 
 
     
Javier: Veni? Man kommt zu dem Spiel ein wenig wie die Jungfrau zum Kind. Das, was erfahrene Feld-Fans auf jeder neuen Regelseite mit der Zunge schnalzen lässt, kann viele Familienspiel-Spieler schnell überfordern. Und ich meine gerade ausdrücklich nicht jene Spieler, die Bingo bereits für einen Strategiehammer halten. Bereits der Anspruch, eine erste Spielrunde von dem Spiel überhaupt vollkommen fehlerfrei durchzuspielen, erfordert eine solche Menge Masochismus, die tendenziell die Zielgruppe schmälert. Tja, und weniger Akzeptanz bedeutet immer auch weniger Umsatz, sprich: es ist unwahrscheinlich, dass das Spiel ein Megaseller wird. Und genau dieses Schicksal hat es nicht verdient.

Vidi? Ja, es gibt viel zu sehen. Es gibt massenhaft Spielmaterial. Das Material ist wirklich durchgehend liebevoll gemacht. Es ist auch historisch sehr angemessen gestaltet, es fällt leicht, sich während des Spieles in die römische Welt zurück versetzt zu fühlen. Dazu passt auch das kleine Trajanlexikon am Ende der Spielregel, das einem die Motive und die Geschichte hinter der Geschichte des Spieles näher bringt. Dabei findet sich lediglich ein winziger Fehler. Der Titelheld stammte sehr wahrscheinlich aus der Provinz Italica, das ist im Prinzip das heutige Sevilla in Andalusien, Spanien. Eine blaue Augenfarbe ist da äußerst unwahrscheinlich. Ein etwas dunklerer, nordafrikanisch-kleinasiatischer Touch wäre wahrscheinlicher, ist aber weder spiel- noch Rezi-entscheidend und mag unter dem Begriff "künstlerische Freiheit" weggebucht werden.

Vici? Dem Verlag ist bewusst, dass der Neueinsteiger dieses Spiel niemals gegen den fortgeschritteneren Spieler gewinnen kann. Um sich diesbezüglich nicht alleine auf die hohe Frusttoleranz der Nachwuchs-Gladiatoren verlassen zu müssen, wird noch ein kleiner Regellöwe in die Spiel-Arenen geworfen: Im Spiel in gemischter Runde werden die Ressourcen angepasst. Der Neueinsteiger beginnt mit zusätzlichem Geld und aktiven Bürgern. Das ist schlau gelöst und wie gesagt, das Spiel erfüllt auf jeden Fall seinen Bildungsauftrag und macht dadurch alle Mitspieler zu Siegern, wenn sie es denn zulassen. Kleines Latinum? Großes Latinum? Egal, am Spieltisch werden sie alle zu latin lovers…

q.e.d. (quod erat demonstrandum)
...
 
   KULTFAKTOR
      (Langzeit-)Spielreiz
Ende
 
 
 

   > So testen wir
       
    Alle Spiele
von A bis Z:

 
Auswahl
# A B C
D E F G
H I J K
L M N O
P Q R S
T U V W
X Y Z #
 

 

 

 

 

 
Anzeige

 
 

 

         
     
 (C) SPIELKULT.de       Impressum       Datenschutz