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Genre: Strategie, Fantasy
Erscheinungsjahr:
2016
Verlag: Wolffdesigna
Autor: Artyom Nichipurov
Spieleranzahl: 2 bis 9
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: ca. 90 Min.

Einstiegslevel:
   

 
 Glück

Taktik 

leer
     
   

 

 
Guards of Atlantis
...

Analoge Schlachten digitalen Ursprungs

"Guards of Atlantis" trägt den Untertitel "Brettspiel MOBA" und MOBA steht für Multiplayer Battle Online Arena. Dies ist ein beliebtes Videospielgenre, welches nun als Brettspiel umgesetzt wurde. Also wählt euren Helden, euer Team und zeigt dem generischen Team in diesem glücksbefreiten Spiel, was ihr so drauf habt!
 
 
Wie gesagt: Der Grundgedanke der Entwickler von "Guards of Atlantis" ist es, das Format beliebter Computerspiele wie League of Legends, Smite, Heroes of the Storm oder DOTA als ein Brettspiel umzusetzen. Hierbei wählt jeder Spieler einen Helden, der Teil eines Teams ist. Die beiden Teams treten gegeneinander an und versuchen die gegnerische Basis zu zerstören. Hierbei werden die Helden von vielen kleinen Vasallen (Minions) unterstützt, die geistlos zur gegnerischen Basis rennen und als klassisches Kanonenfutter dienen. Wie das ganze aus Pappe und Plastik funktionieren soll? Es folgt die Erklärung.

 
Zunächst wird sich auf eine Spielbrettseite geeinigt. Ich werde hier die Seite für 2 bis 6 Spieler beschreiben, aber es gibt noch eine Seite für 6 bis 9 Spieler. Die Spielmarker und Münzen werden bereitgelegt. Die Spieler teilen sich in zwei Teams auf. Jeder Spieler bekommt ein Spielertableau. Dann wählt ein zufälliger Spieler seinen Helden und nimmt sich die Figur sowie die Karten dieses Helden. Im Grundspiel sind 9 Helden vorhanden. Die Teams wechseln sich ab mit dem Aussuchen einen Helden, bis jeder Spieler einen Helden hat. Das Team, welches zuerst einen Helden ausgewählt hat, legt den Initiative-Marker mit der eigenen Seite (blau oder orange) nach oben. Die Minions der beiden Teams werden nun in der mittleren Zone aufgestellt. Auf jedes Feld mit einem Symbol kommt der Minion, den dieses Symbol darstellt. Eine Zone ist ein Spielbereich, in welchem alle Felder die gleiche Farbe haben. Die Spieler suchen aus ihren Karten die Hold-Karte (Warten), die gelbe Karte (Standardangriff), und jeweils die Level 1 Karte in rot (Spezialangriff), grün (Verteidigung) und blau (Fähigkeit). Bis auf die Hold-Karte sind die anderen Karten bis auf die Farben für alle Helden unterschiedlich. Jetzt stellt noch jeder Spieler seinen Helden auf ein Startfeld im eigenen Thronbereich und los geht es.

 
Jede Runde besteht aus vier Zügen. Die vier Züge bestehen aus je zwei Schritten. Zunächst sucht sich jeder Spieler von seinen Handkarten eine aus und legt diese verdeckt auf sein Spielertableau. Haben alle Spieler eine Karte gewählt, so drehen alle Spieler gleichzeitig um. Im zweiten Schritt werden die Karten abgehandelt. Jede Karte zeigt einen Initiative-Wert. Der Spieler mit der höchsten Initiative-Wert handelt seine Karte zuerst ab, dann folgen absteigend alle Spieler. Wurden alle Karten abgehandelt, so beginnt der nächste Zug. Beim Ausführen einer Karte hat der Spieler in der Regel mehrere Optionen. Die Karten zeigen meist ein farbiges Symbol und ein oder zwei Symbole in Sepia. Das farbige Symbol aktiviert gleichzeitig den Text auf der Karte.

 
Ein Stiefelsymbol erlaubt es dem Spieler seinen Helden zu bewegen. Der Held zieht entweder so viele Felder weit, wie auf dem Stiefel zu sehen ist oder er bewegt sich auf ein beliebiges Feld in der gleichen Zone oder der benachbarten Zone, wenn in beiden Zonen keine feindlichen Einheiten sind. Durch andere Einheiten, Helden oder Minions, darf nicht gezogen werden und auch nicht auf das Feld einer anderen Einheit.

 
Ein Angriffssymbol erlaubt es eine andere Einheit anzugreifen. Es gibt Angriffe mit Reichweite, die dann Felder in der entsprechenden Entfernung angreifen dürfen, und es gibt Nahkampfangriffe, die nur benachbarte Felder angreifen dürfen. Klingt logisch, oder? Ist ein Minion Ziel eines Angriffes, stirbt er und wird vom Brett genommen. Die kleinen Biester sind nicht nur recht stoisch, sondern auch recht fragil. Der Angreifer nimmt sich zwei Münzen dafür. Helden lassen sich leider nicht so leicht vom Ableben überzeugen. Ein verteidigender Spieler darf eine Karte von seiner Hand abwerfen, die ein Schild mit einem Verteidigungswert mindestens so hoch, wie der Angriffswert des Angreifers, zeigt. Einige Karten haben auch spezielle Effekte, die, wenn sie als Verteidigung gespielt werden, ausgelöst werden und so die Verteidigung erhöhen oder dem Angriff ausweichen. Schafft der Verteidiger dies, überlebt er den Angriff - ansonsten ist er tot. Ja, so geht das. Rumms bumms aus die Maus. Wer seine Verteidigung vernachlässigt, kann von einem Schwertstreich vernichtet werden. Der Held wird vom Brett genommen. Der Angreifer erhält das Level des toten Helden mal zwei in Münzen. Keine Sorge, nach Zug 1 der nächsten Runde kommt der tote Held wieder ins Spiel.

 
Nutzt ein Spieler eine Karte für eine darauf beschrieben Fähigkeit, so führt er diese einfach aus. Diese Fähigkeiten können z.B. Hindernisse für Gegner schaffen, Münzen stehlen, Einheiten bewegen etc.
 
In jedem Zug wird also eine Karte gespielt, ohne dass die vorher gespielten Karten aufgenommen werden. Die Auswahl an Karten zur Verteidigung wird also mit jedem Zug kleiner. Nach dem vierten Zug nehmen alle Spieler wieder ihre Karten auf, egal ob diese zur Verteidigung genutzt wurden oder auf dem Spielertableau liegen. Jetzt kommt es zum Minionkampf. Das Team mit weniger Minions verliert einen weiteren Minion. Dann können die Spieler für die auf ihren Tableaus vermerkten Münzen ihr Level erhöhen.

 
Beim Levelaufstieg nimmt ein Spieler seine grüne, gelbe oder rote Karte und entfernt diese aus seiner Hand, dann nimmt er die zwei Karten derselben Farbe des nächsthöheren Levels. Eine der beiden Karten nimmt der Spieler auf die Hand und die andere wird so unter das Spielertableau geschoben, dass nur noch der Bonus am unteren Rand zu sehen ist. Die Karte wurde somit zum Gegenstand, der für den Rest des Spiels einen Bonus gibt, indem er Initiative, Reichweite, Angriff etc. verbessert. Die Karte in eurer Hand steht euch in der folgenden Runde zur Verfügung, so dass eine eurer Karten jetzt besser ist.

 
Jetzt kann auch schon die nächste Runden beginnen.
 
Vielleicht interessiert jetzt noch jemanden, warum die Spieler das alles machen und wie euer Team das Spiel gewinnt. Sollte zu irgendeinem Zeitpunkt der letzte Minion eines Teams in einer Zone getötet werden, so wird die Lane gepushed (sinngemäß: nach vorn gedrückt). Von der aktiven Zone aus rücken nun alle Minions eine Zone näher an die Basis des Teams, welches keine Minions mehr hat. Hierbei werden alle mit Minions markierten Felder wieder mit neuen Minions besetzt. Es gewinnt das Team, welches als erstes die Lane so pushed, dass die Minions in die gegnerische Basis ziehen würden.

 
Anmerkung: Solltet ihr mit einer ungeraden Zahl Spieler spielen, so bekommt das Team mit mehr Spielern die zwei Affenmenschen, welche zusammen so stark wie ein regulärer Held sind.
 
Hinweis: Das Spiel liegt in englischer Sprache vor und, soweit mir bekannt (Stand April 2017), ist keine deutsche Umsetzung verfügbar. [ls]
 
Links
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  PLUS:
PLUS:
fängt ein MOBA gut ein
Helden sind unterschiedlich
kurze Züge
tolle Kartengestaltung
Miniaturen
eleganter Mechanismus
ENDE
  MINUS:
MINUS:
lange Spielzeit bei Teambesprechung
Helden mit sehr unterschiedlichen
   Schwierigkeitsgraden
alle Vasallen grau
keine Team-Vorschläge für Anfänger

leer
PUNKTE-CHECK:
   SPIELIDEE
      Originalität, Regeln
 
   AUSSTATTUNG
      Material, Umfang
 
   SPIELABLAUF
      Mechanik, Einfluss
 
 
     
Lutz: Schlechte Internetverbindung, Lag oder der berüchtigte Rage Quit bereiten euch Probleme? Warum dann nicht wieder von digital nach analog? Und ab jetzt müsst ihr beim Brettspielen nicht mehr auf Multiplayer Online Battle Arena (MOBA) verzichten, denn hier kommt "Guards of Atlantis". MOBA gehört zu einem Genre von Videospielen, welches sehr stark in e-Sports vertreten ist und von dem auch einige professionelle Spieler leben können. Bei dieser Spielform wählt jeder Spieler einen Helden und tritt mit seinem Team gegen ein anderes Team an. Die Teams werden von Horden kleiner geistloser Vasallen begleitet. Wer geschickt seine Fähigkeiten einsetzt, schafft es irgendwann bis zur gegnerischen Basis vorzudringen und diese zu vernichten. Und nun versucht jemand das Ganze als ein Brettspiel zu verpacken? Geht das? Oh ja, das geht sogar sehr gut.
 
Smite, Heroes of the Storm, DOTA und League of Legends sind die Namen berühmter MOBA-Spiele. League of Legends hat neulich erst ein eigenes Brettspiel veröffentlicht und hat dabei darauf verzichtet, in seinem "Mechs vs Minions" die Mechaniken des MOBA in ein Brettspiel umzusetzen. Ein Team von Neulingen hat dies aber geschafft. Auf der Messe Essen hat der Verlag Wolffdesigna "Guards of Atlantis" vorgestellt, und wenn ich es richtig im Kopf habe, war damals die Kickstarterkampagne schon erfolgreich abgeschlossen. Wir konnten uns eine Kopie dieses Spiels sichern, welches, soweit ich weiß, bisher nicht in deutscher Sprache erhältlich oder geplant ist (Stand: April 2017).
 
Aber jetzt mal ran an den Speck: Beim Auspacken sind die Miniaturen natürlich ein Blickfang. Sie sind detailreich gearbeitet und ich finde sowohl jeden der Helden als auch der Vasallen sehr gelungen. Leider sind alle Miniaturen grau, was vermutlich für die Künstler unter euch super ist, aber ich habe am Figurenbemalen weder Freude noch das nötige Talent. Der endgültigen Fassung des Spiels liegen orange und blaue Ringe bei, um die Teamzugehörigkeit von Vasallen und Helden zu markieren. Es wäre schön gewesen, wenn die Vasallen einfach schon in orange oder blau eingefärbt wären, da diese nie das Team wechseln. Bei den Helden sieht dies ja anders aus. Aber dafür ist die Gestaltung der Karten umso besser. Die Karten sind auf die Fähigkeiten und Charaktere abgestimmt, und mir gefällt besonders gut, dass die Ausgabe einer Fähigkeit ein Level höher der aktuellen Karte ähnlich sieht, nur eben mit ein paar anderen Details. So wird der vergiftete Dolch auf einem Bild beim Aufstieg zum vergifteten Pfeil. Die Karten sind mit klaren Symbolen und eindeutigen Text versehen. Auch die Anleitung ist ungewöhnlich klar und gut für einen so unbekannten Verlag. Der Autor des Spiels ist auf der bekannten internationalen Brettspiel-Webseite BoardGameGeek sehr aktiv und beantwortet Regelfragen, wobei er dabei meist nur auf existierende Passagen im Regelheft verweisen muss.
 
Die Mechanik des Spiels ist herrlich elegant und bietet trotzdem viele Möglichkeiten. Da jeder Spieler 4 seiner 5 Karten in einer Runde spielt und eine Karte nur ein Passen darstellt, ist selbst der stärkste Held irgendwann verwundbar, da er bei jedem Angriff eine Karte für diese Runde abgeben muss. Am Computer spielen MOBAs meist 10 Leute gleichzeitig. Dies ist auch bei Guards of Atlantis möglich, wobei ich eher 3 gegen 3 (also insgesamt 6 Spieler) empfehle. Eine so große Spielerzahl erhöht dann doch die Wartezeiten, die aber sonst meist nicht so lange sind. Jeder Spieler wählt seine Karte gleichzeitig und dann steht auch die Reihenfolge der Aktionen schon fest. Da alle gleichzeitig wählen, wird hier schon mal Zeit gespart. Auch ist in der Regel jeder Zug recht kurz, da genau eine Aktion ausgeführt werden kann und schon geht es weiter.
 
Aber leider brauchte in meinen Spielrunden für das Spiel dann doch immer recht lange. Während man zu zweit ca. 60 Minuten braucht, stieg in meinen Runden die Zeit schnell auf 3 bis 4 Stunden. Die Schachtel sagt 90 Minuten. Wie kommt es zu einem so großen Unterschied? Es ist wohl tatsächlich so gedacht, dass jeder Spieler seine Entscheidungen für sich alleine trifft, obwohl es ein Team-Spiel ist. Trifft jeder Spieler seine eigenen Entscheidungen, wird das Problem des Alpha-Spielers (einer sagt allen anderen, was sie tun sollen) verhindert und die Zeit gering gehalten. Allerdings ist es bei einem Spiel mit zwei Teams und entsprechenden Kombinationsmöglichkeiten interessant, sich mit den anderen Teamkollegen abzusprechen. Ohne Absprachen haben es Charakteren, die unterstützende Fähigkeiten haben, eher schwer, aber der Preis für ständige Diskussionen innerhalb der Teams ist eben eine lange Spielzeit. Hier muss jeder selber entscheiden, was der aktuellen Spielgruppe wichtiger ist.
 
Übrigens braucht ihr keine Angst haben, falls ihr mal eine ungerade Anzahl von Spielern seid. Es gibt zwei Helden, die zusammen so stark wie einer sind, dies sind die beiden Affenmenschen Wuk und Hanu. Wenn zwei Spieler der größeren Mannschafft diese Charaktere spielen, sind die Teams wieder fair. Wo wir schon wieder über die Spielerzahl sprechen, möchte ich kurz erwähnen, dass Duelle, also ein Spieler gegen einen anderen, durchaus ihren Reiz haben, aber dabei viele Helden nicht ihren vollen Reiz entfalten können. Eine Alternative ist einfach, dass beide Spieler zwei Helden übernehmen.
 
Eine große Überraschung war für mich, dass das ganze Spiel ohne Zufälle auskommt. Das Kampfsystem wird über die gespielten Karten gesteuert. Das ist wirklich gut und verhindert viel Frustration. Wer gut aufpasst, wird auch merken, wann euer Gegner keine Verteidigung mehr hat. Wer ein gutes Gedächtnis hat, ist bei "Guards of Atlantis" klar im Vorteil; denn wer weiß, welche Angriffswerte dem Gegner noch zur Verfügung stehen, kann auch seine Verteidigung planen.
 
Am Ende muss aber noch eine wichtige Sache geklärt werden: Vermittelt das Spiel ein ähnliches Gefühl wie die digitalen Vorlagen? Wie in selbigen Vorlagen können die Helden Gegenstände und bessere Fähigkeiten durch Levelaufstiege erhalten, so können die Helden im Rahmen ihrer Möglichkeiten verschiedene Schwerpunkte legen. So war in einer Partie mein Dieb immer der schnellste Held, aber ich hätte ihn auch mobiler durch mehr Schritte pro Bewegung machen können. Manche Fähigkeiten entwickeln euren Helden eher zu Vasallenkillern, andere vielleicht zu Heldenkillern. Damit kann man das, was sich im englischen Spieleslang "Build", also Aufbau nennt, durchaus durchführen. Ein Build ist eine kluge Wahl von Gegenständen und einer Reihenfolge, in der Fähigkeiten verbessert werden, um bestimmte Aspekte des Helden zu unterstreichen. Im Gegensatz zu den Vorlagen hat sich "Guards of Atlantis "zu einem statischen Einsatz der Vasallen entschieden und ich denke, dass dies die geschickteste Lösung ist, alles andere würde zu sehr viel Verwaltungsaufwand führen. Somit steht für mich fest, dass "Guards of Atlantis" eine extrem gute Umsetzung des MOBA-Genres auf ein Brettspiel ist. Und die erste Erweiterung mit 2 neuen Helden ist schon bereit und ein weiterer Held kann selber ausgedruckt werden.
 
Fazit: Spieler, die gerne Strategiespiele in Teams spielen, sollten sich "Guards of Atlantis" ansehen. Fans von MOBAs sollten es sich dringend (!) ansehen, wenn diese sich vorstellen können, der analogen Umsetzung eine Chance geben zu können. Alles in allem steht "Guards of Atlantis" sehr gut da. In Anbetracht der Tatsache, dass dies das erste Spiel des Verlages ist, finde ich 9 Kult-Punkte angemessen.
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      (Langzeit-)Spielreiz
Ende
 
 

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