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Genre: Strategie, Karten
Erscheinungsjahr:
2016
Verlag: Hans im Glück  ..i..
Autor: Helmut Ohley
Grafik: Michael Menzel
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 40 bis 80 Min.

Einstiegslevel:
   

 
 Glück

Taktik 

leer
     
   
   

 

 
First Class
...

Mit Volldampf Richtung Konstantinopel

Der Orient-Express! Schon allein der klangvolle Name lässt uns träumen von in Nerz gekleideten Geheimagentinnen, Herren mit Monokel und Bärtchen, königlichen Hoheiten und exotischen Reisezielen...
 
 
Der "König der Züge" galt schon bald nach seiner Einführung im Jahr 1883 als Zug der Diplomaten, Spione und Abenteurer. Als ehrgeizige Unternehmer mischen wir uns unter die illustre Gesellschaft und versuchen, mit unserer eigenen Bahngesellschaft das sagenhafte Konstantinopel zu erreichen. Wir hofieren Berühmtheiten, erfüllen Aufträge, buhlen um Passagiere und Gepäck und konkurrieren um die luxuriösesten Waggons. Und wer weiß – vielleicht gibt es unterwegs sogar einen Mordfall zu lösen…
 
So funktioniert's:
» Bienvenue à Paris! Herzlich willkommen in Paris! Ich begrüße Sie hier am Bahnhof Gare de l‘Est und freue mich, dass Sie mit uns die wunderschöne Strecke bis ins märchenhafte Konstantinopel reisen möchten. Noch mehr erfreut mich allerdings die Tatsache, dass Monsieur einen beträchtlichen Teil seiner Francs in unser Unternehmen investieren will, auf dass es die erfolgreichste Eisenbahn-Compagnie auf der Strecke des Orient-Expresses werden möge! Bitte lassen Sie mich Ihnen erklären, wie Sie unsere Bahngesellschaft steuern können. 

 
Direkt vor Ihnen liegt Ihr persönliches Tableau, mit dessen Hilfe Sie die Geschicke unseres Unternehmens lenken. Während der sechs Runden, die unsere Fahrt dauert, werden Sie an dieses Tableau bis zu 18 Karten anlegen, welche dann über Ihr Abschneiden im Konkurrenzkampf mit den anderen Bahngesellschaften entscheiden. An der rechten Seite des Tableaus sehen Sie Ihre zwei Züge, die Sie im Verlauf des Spieles ausbauen können. Diese Züge bestehen zu Beginn nur aus jeweils einem spärlichen, offenen Güterwaggon der Wertigkeit null (0). Aber schon bald werden diese Züge durch Ihr Geschick und etwas Fortune länger und vor allem wertvoller. Denn in jeder Runde haben Sie die Möglichkeit, neue Waggons an die bestehenden anzuhängen oder diese sogar aufzuwerten, damit sie für unsere Fahrgäste attraktiver werden: die 1er-Waggons für den preisbewussten Reisenden und die 2er-Waggons mit etwas mehr Sitzkomfort. Unsere 4er-Waggons sind mit Salons ausgestattet, in denen unsere Gäste in angenehmer Gesellschaft über die Zeitläufte diskutieren können, während die 7er-Waggons mit Schlafabteilen für die erholsame Nachtruhe aufwarten. Der Stolz unserer Compagnie sind aber die 12er-Waggons, in denen unsere hochgeschätzten Gäste vorzüglich dinieren und Speisen aus aller Herren Länder genießen können. Wenn die Züge nur lang genug werden, können wir auch Postwaggons anhängen, die uns Vorteile bei unserer Reise verschaffen, und die ganz Tüchtigen unter uns schaffen es sogar, den Zug bis auf neun Waggons auszubauen, so dass er bis nach Konstantinopel fahren kann und dort reichlich Ruhm und Siegpunkte einbringt.

 
In jedem Zug fährt ein Schaffner mit, der dafür sorgt, dass es unseren Reisegästen an nichts fehlen wird. Er kümmert sich um die zugestiegenen Fahrgäste und deren Gepäck und achtet darauf, dass alles zum Besten steht. Daher solltet Ihr darauf achten, dass die Schaffner auch die weiter hinten gelegenen Waggons erreichen. Sonst beschweren sich noch unsere Gäste und strafen es uns, indem sie uns keine Siegpunkte zugestehen.
 


Doch schauen Sie hier, Monsieur: am oberen Ende Ihres Tableaus sehen Sie eine kleine Lokomotive. Dies ist unsere Fahrtstrecke. Wir werden im Laufe der Runden hier Streckenkarten anlegen und so immer mehr Städte bereisen. Je länger unsere Fahrtstrecke wird, desto mehr Siegpunkte winken uns. Darüber hinaus versorgt uns eine lange Streckenführung mit attraktiven Boni, die wir Runde für Runde nutzen können, um im Konkurrenzkampf mit den anderen Bahngesellschaften nicht ins Hintertreffen zu geraten. Doch auch hier gilt schon das, was ich über die Schaffner gesagt habe. Die längste Strecke nützt nichts, wenn wir nicht auch unsere Lokomotive darauf nach vorne treiben.
 
Auf dem Tableau haben Monsieur dazu die Möglichkeit, die hart verdienten Francs abzulegen. Und glauben Sie mir: Geld ist, wie so oft im Leben, sehr knapp. Unsere Eisenbahn-Compagnie hat sich dazu ein System erdacht, nach dem Sie Ihre Münzen ablegen müssen. Zuerst füllen Sie die linke Spalte wenn Sie Geld erhalten; danach die mittlere und erst dann die rechte Spalte. Denn je nach Position der Münzen auf Ihrem Tableau können Sie dafür unterschiedliche Zusatzaktionen auslösen.

 
Pardon, Monsieur? Sie möchten wissen, wie Sie die Karten für Ihr Tableau bekommen können? Nichts einfacher als das! Sehen Sie, auf dem Tisch liegen pro Runde immer drei Reihen à sechs Aktionskarten, also insgesamt 18 Karten aus. Immer wenn Sie an der Reihe sind, nehmen Sie sich eine dieser Karten und führen die Aktion auf dieser Karte aus. C’est ça – das ist alles! So können Sie mit Hilfe einer Aktionskarte einen neuen Waggon mit dem Wert 0 an Ihren Zug koppeln, oder Sie können einen Ihrer Waggons auf die nächsthöhere Stufe aufwerten. Es gibt aber auch Karten, mit denen Sie Ihre Schaffner weiter durch den Zug bewegen können, manchmal bis zu drei Waggons weit. Wieder andere lassen Ihre Lokomotive auf der Fahrtstrecke weiterfahren, so dass Sie Bonus- und Punktestädte erreichen können. Natürlich vorausgesetzt, dass Sie vorher auch Ihre Strecke ausgebaut haben.



Doch das ist noch längst nicht alles. Im Spiel befinden sich neben den Basis-Aktionskarten, die in jeder Partie verwendet werden, auch noch Aktionskarten für fünf verschiedene Module. Aus diesen Modulen suchen Sie sich zwei heraus und mischen diese Karten unter die Basiskarten. Welche Module Sie dabei wählen, bleibt vollkommen Ihnen überlassen. Mit dem so zusammengestellten Kartenstapel werden dann die sechs Runden gespielt. Entscheiden Sie also selbst, mit welchen Schwerpunkten Sie das Spiel bestreiten wollen! Wenn Sie das Modul mit den Aufträgen hinzunehmen, können Sie Zusatzaktionen, Geld und Siegpunkte erringen wenn Sie eine vorher gewählte Aufgabe (zum Beispiel mindestens sechs 2er-Waggons besitzen) erfüllen. Es gibt auch ein Modul, das mit Berühmtheiten und Postkarten aufwartet. Lassen sie Berühmtheiten in Ihren Zug einsteigen, verdoppeln sie den Wert des Waggons, in dem Sie sitzen. Postkarten tun dasselbe mit einem Bonus auf Ihrer Bahnstrecke. Monsieur können aber auch die Karten des Moduls »Passagiere und Gepäck« wählen. Je mehr Passagiere Sie einsteigen lassen, desto mehr Geld zahlen Sie Ihnen. Und die Mitnahme von Gepäck macht sich in einer guten Siegpunktausbeute bemerkbar. Sie mögen es lieber technisch? Dann ist das Modul »Weichen und Mechaniker« bestimmt das Richtige für Sie. Denn hier werden der Ausbau Ihrer Züge und das Fortkommen des Schaffners nochmal extra belohnt. Sie sagen, sie sind ein Freund mysteriöser Kriminalfälle? Dann begeben Sie sich doch auf die Suche nach einem Mörder, der sein Unwesen auf der Reise nach Konstantinopel treibt. Sie finden Hinweise und verdächtigen Ihre Mitspieler, der Täter zu sein. Doch Vorsicht! Vielleicht sind Sie auch selber der Bösewicht…



Aber gleich, welche zwei Module Sie auswählen, der Ablauf des Spieles ändert sich nicht. Wenn Sie an der Reihe sind, wählen Sie eine Karte aus der Auslage und führen die abgebildete Aktion aus. Sobald aus einer Reihe so viele Karten genommen wurden wie Spieler am Tisch sitzen, wird der Rest der Reihe abgeräumt. Damit ist sichergestellt, dass jeder Spieler pro Runde nur drei Karten erhält. Sind alle Karten genommen oder abgeräumt worden, kommen 18 neue Karten auf den Tisch und der Ablauf beginnt von vorn.
 
Dabei ist jede Aktionskarte auf der Rückseite einer von drei Stapeln zugewiesen. Je nach Zugehörigkeit kommen die Karten daher früher oder später ins Spiel. Wenn nach der zweiten, der vierten und der letzten Runde ein Kartenstapel aufgebraucht ist, folgt eine Wertungsphase. Jeder aufgewertete Waggon bringt nun die aufgedruckte Punktzahl, wobei aber nur diejenigen Waggons zählen, die bereits vom Schaffner besucht wurden. Unsere Fahrtstrecke bringt jetzt auch alle Boni, die unsere Lokomotive auf ihrem Weg schon erreicht hat. Diese Boni sind vielfältig und reichen über Münzen, Bewegungen mit der Lok, Schritte mit dem Schaffner bis hin zu weiteren Siegpunkten. Ist der dritte und letzte Stapel nach der sechsten Runde aufgebraucht und die dazugehörige Wertungsphase abgehandelt, endet unsere Reise nach Konstantinopel.

 
Bevor wir sehen, wie gut Monsieur unsere Compagnie im Wettstreit vertreten hat, werden jetzt aber noch unsere Spielende-Karten ausgewertet. Jeder Spieler hat zu Beginn des Spieles bereits eine dieser Karten erhalten. Während der Partie hat man aber auch die Möglichkeit, noch weitere dieser Karten auf die Hand zu bekommen. Für jede der drei Aktionskartentypen Schaffner, Lokomotive und Waggon gibt es entsprechende Spielende-Karten. Nun schauen Sie in den Stapel mit Ihren abgelegten Karten. Für jede zu Ihren Spielende-Karten passenden Aktionskarten aus ihrem Ablagestapel gibt es nun noch Siegpunkte, wobei wir immer gilt: je mehr Karten, desto besser.
 
Sie sehen Monsieur, wer am Ende unserer Reise die meisten Siegpunkte erlangt, dem winken Ruhm und Ehre, und er wird als größter Pionier in die Eisenbahngeschichte eingehen. Und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass Sie das sein werden!« [am]
 
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    Checkpoint
  PLUS:
PLUS:
Spiel auf Kenner-Niveau mit
   hohem Wiederspielreiz
eingängige, schnell erlernte
   Regeln
große Variabilität durch
   unterschiedliche Module
angenehme Spielzeit
   von 60 bis 90 Minuten
ENDE
  MINUS:
MINUS:
Symbole auf Spielende-Karten
   sehr schwer zu entziffern
leer
PUNKTE-CHECK:
   SPIELIDEE
      Originalität, Regeln
 
   AUSSTATTUNG
      Material, Umfang
 
   SPIELABLAUF
      Mechanik, Einfluss
 
 
     
André: Wenn Hans im Glück ein neues Spiel ankündigt, werden Vielspieler immer sofort hellhörig. Denn der Verlag aus München hat sich in den vergangenen Jahren mit Erfolgstiteln wie »Stone Age«, »Sankt Petersburg«, »Auf den Spuren von Marco Polo« oder dem modernen Klassiker »Russian Railroads« in die Herzen der Fans anspruchsvollerer Titel gespielt.
 
Nun lädt uns der Autor Helmut Ohley, einer der Väter von »Russian Railroads« (RRR), erneut auf eine Reise in die Welt der Dampfrösser ein. Man merkt »First Class« an, dass sich der Autor Inspiration von seinem Erfolgstitel aus dem Jahr 2013 geholt hat. So erinnert der Ausbau der Züge mit dem späteren »Einholen« des jeweiligen Zugendes durch den Schaffner ebenso an Mechaniken aus RRR wie die von Runde zu Runde immer stärker anschwillende Siegpunktausbeute. Trotzdem ist es aber auf keinen Fall ein »Russian Railroads 2.0«. Helmut Ohley ist mit »First Class« ein tolles Spiel mit ganz eigenem Charakter und Spielgefühl gelungen, das den Vergleich mit anderen Großkalibern aus dem Hause Hans im Glück nicht scheuen muss.
 
Das beginnt mit dem Einstieg in das Spiel. Trotz einer Spielkomplexität auf Kenner-Niveau sind die Regeln von »First Class« innerhalb von schnellen zehn bis 15 Minuten erklärt und werden von den Spielern meist auch sofort verinnerlicht. Karte aus der Auslage wählen und die abgebildete Aktion ausführen. Alternativ einen Waggon aufwerten oder das (nicht zu unterschätzende!) Recht auf den nächsten Startspieler wählen. Das ist im Grunde der Kern des Spieles. Leicht erlernt und schnell verstanden.
 
Ein weiterer Pluspunkt ist das Spielprinzip mit einem Basiskartenset und den fünf Modulen. Das Basiskartenset beinhaltet größtenteils die grundlegenden Aktionsmöglichkeiten wie Waggon ankoppeln, Waggon aufwerten, Schaffner bewegen, Fahrtstrecke ausbauen oder Lokomotive bewegen und bildet damit sozusagen das Grundgerüst jeder Partie. Durch die unterschiedlichen Module, von denen zwei beliebig gewählte in jeder Partie mitspielen, können die Spieler den Fokus der Partie selbst bestimmen. Aufträge wirken als Punkteverstärker der eigenen Strategie, während die Persönlichkeiten das Aufwerten von Waggons belohnen. Die Passagiere und ihr Gepäck forcieren dagegen eher das Ankoppeln neuer Waggons. Das Modul mit den Mechanikern und Weichen ist stark, wenn die eigenen Waggons gleichermaßen angekoppelt, aufgewertet und vom Schaffner besucht werden. Und wer eine kleine Prise Risiko mag, ist dazu eingeladen das Modul mit der Suche nach dem Mörder im Orient Express ins Spiel zu nehmen. Denn in dieser Variante scheidet automatisch derjenige Spieler aus, der im Verlauf der Partie die meisten Verdächtigungen (repräsentiert durch Plättchen mit Fingerabdrücken) auf sich gezogen hat – unabhängig von seiner erreichten Siegpunktzahl.
 
Durch die Vielzahl an möglichen Modul-Kombinationen, gepaart mit der Eleganz der erfrischend einfachen Regeln, macht »First Class« einfach Spaß. Anfänger lädt das Spiel zum Experimentieren ein während Experten-Spieler versuchen, aus einer gewählten Strategie noch ein paar Siegpunkte mehr herauszukitzeln. Dabei verzeiht das Spiel auch kleinere Fehler, denn richtig schlechte Karten gibt es eigentlich nicht im Spiel, so dass man doch immer noch etwas Sinnvolles mit seinem Zug anstellen kann, auch wenn die optimale Karte bereits weggeschnappt wurde. Die Einschränkung der Auswahl durch das automatische Entfernen von Kartenreihen ist eine weitere Zutat, die aus einem guten Spiel ein Leckerbissen macht. Die Tatsache, dass eine Reihe komplett abgeräumt wird, sobald die der Spieleranzahl entsprechende Menge Karten aus dieser Reihe genommen wurde, lässt sich nämlich herrlich taktisch einsetzen:
 
»Ich weiß, dass Knut vorhin eine Spielende-Karte mit einem Schaffner genommen hat. Wenn ich jetzt die Fahrtstreckenkarte aus dieser Reihe wähle (obwohl es vielleicht eine für mich optimalere Karte gibt), wird der Rest abgeräumt und die verbliebenen Schaffner-Karten so seinem Zugriff entzogen …«.
 
Mit einer Spieldauer von etwa 60 bis 90 Minuten ist eine Partie trotz beachtlichem Tiefgang so schnell gespielt, dass sich meist noch (mindestens) eine weitere Partie anschließt. Schließlich will man ja seine Strategie nochmal mit den gleichen Modulen auf den Prüfstand stellen. Oder doch lieber mal andere Modulen ausprobieren? Auf jeden Fall sollte man aber etwas mehr Platz als üblich auf dem Spieltisch einkalkulieren, denn »First Class« ist im wahrsten Sinne des Wortes ein raumgreifendes Spiel. Wer schon einmal »Machi Koro« zu viert gespielt hat, wird eine ungefähre Vorstellung vom Platzbedarf von »First Class« haben.
 
Das Spiel funktioniert in allen Besetzungen von zwei bis vier Spielern sehr gut und flüssig, wofür nicht zuletzt der Mechanismus mit dem vorzeitigen Abräumen bestimmter Kartenreihen verantwortlich ist. Eine Zweierpartie ist problemlos in unter einer Dreiviertelstunde gespielt, so dass sich gerne noch eine zweite oder dritte Partie anschließt. Allerdings sollte man das Modul mit der Suche nach dem Mörder nicht unbedingt in der Minimalbesetzung spielen. Da in diesem Modul der Spieler mit den meisten Verdächtigungen automatisch ausscheidet, fokussiert sich im Zwei-Personen-Spiel fast alles nur noch auf die Verdächtigungsplättchen während Waggon-, Streckenbau & Co. etwas brach liegen bleiben. Denn zum Sieg ist die erreichte Punktzahl völlig unerheblich, solange man nur weniger Verdächtigungen hat als sein Gegenüber. Dieser scheidet ja dann sowieso aus.
 
Der einzige Wermutstropfen im ansonsten hervorragenden Spiel sind meines Erachtens die Spielende-Karten, die sozusagen als Klammer um das Paket aus Basis- und Modulkarten fungieren und den Spielern eine kleine Richtschnur geben, an der sie ihr Spiel ausrichten können. Es ist im Spiel zwar nicht unbedingt erforderlich, sich auf das Sammeln von passenden Aktionskarten zu konzentrieren. Jedoch man sollte schon ein waches Auge darauf haben, ob ein Mitspieler anfängt im größeren Stil Spielende-Karten und entsprechende Aktionskarten zu sammeln. Einzelne Spielende-Karten mögen die Schlusswertung vielleicht nicht stark beeinflussen, mehrere der gleichen Art mit den dazugehörigen Aktionskarten können dies aber sehr wohl. In unseren Partien ist es häufiger vorgekommen, dass ein Spieler mit der Wertung der Spielende-Karten noch 80 bis knapp unter 100 Punkte erzielen und so alle vor ihm liegenden Spieler locker überholen konnte. Gerade die Schaffnerkarten scheinen mir da mit den drei bis vier Siegpunkten pro Karte etwas zu stark geraten zu sein.
 
Leicht daneben geraten ist auch die Symbolik auf besagten Spielende-Karten. Dass der Kartentyp, auf den sich die entsprechende Spielende-Karte bezieht, sehr klein abgebildet ist, ist der generellen Kartengröße (44 × 68 mm Patience-Format) geschuldet und daher verständlich. Allerdings lassen sich diese Kartensymbole für Schaffner-, Lokomotiven- und Waggonkarten selbst bei guter Beleuchtung kaum auseinanderhalten. Dazu kommt, dass die abgebildeten Kartensymbole nur bedingt den entsprechenden Karten im Spiel entsprechen. Für die Waggon-Spielende-Karten wurde beispielsweise die Hintergrundgrafik der entsprechenden Waggon-Karten gewählt. Diese ist aber dort fast vollständig von den Aktionssymbolen überdeckt, so dass eine Zuordnung einer Spielende-Karte zum betreffenden Typ in der Tischauslage nicht sofort ersichtlich ist. Für mich und meine Ü40-Spielerunden entpuppte sich das als ständiges Hindernis, da häufig nachgefragt wurde, zu welcher Art Karten denn eine bestimmte Spielende-Karte nun gehöre. Eindeutige Piktogramme (z.B. Trillerpfeife/ Dampflok/ Rad o.ä.) auf Spielende- und Aktionskarten würden hier enorm helfen.
 
Abgesehen von diesem kleinen, grafischen Manko ist »First Class« aber ein richtig gutes Spiel. Es ist ein Paradebeispiel eines guten »Gateway Games«, also eines Spieles, das anspruchsvoll genug für Vielspieler ist und dabei so elegant komponiert wurde, dass man es auch problemlos mit Wenigspielern spielen kann, wenn diese mal in die Welt der etwas komplexeren Kennerspiele reinschnuppern wollen. Für mich ist »First Class« definitiv ein heißer Kandidat für das "Kennerspiel des Jahres 2017".
 
Wer nun Lust auf eine niveauvolle, aber durchaus entspannte und kurzweilige Fahrt mit dem Orient-Express bekommen hat, der sollte sich »First Class« unbedingt einmal anschauen. Von mir gibt es die eindeutige Empfehlung: lassen Sie sich vom Zauber der Reise in den Orient gefangen nehmen.
 
»Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante! Der Zug fährt ab!«
.
 
   KULTFAKTOR
      (Langzeit-)Spielreiz
Ende
 
   KULTFAKTOR: TEAM-TREND*  .NEU.   
...
   André
   Jürgen
   Lutz
   Ralf
   Torsten
   Ulf
Ende
...
    * Bei Spielen, die von mehreren Teammitgliedern gespielt wurden, veröffentlichen wir
    künftig an dieser Stelle immer
eine Übersicht aller verfügbaren Kultfaktor-Wertungen.
 
 

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