www.spielkult.de  

Kontakt    Impressum

Suche

 
   START | SPIELETESTS | VIDEOS | EXTRAS | LINKS | SHOP
    Themen          A bis Z          Neuheiten          Verlage          History  
 
 
Zurück zur Übersicht

Spiel-Fakten:

FamilieStrategie & AufbauWissen & RatenParty & KommunikationLogik & Kombination
KinderKarten
Würfel & GlückAktion & GeschicklichkeitLernen

Genre: Familie, Strategie
Erscheinungsjahr:
2013
Verlag: Hans im Glück  ..i..
Autor: Stefan Feld
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Min.

Einstiegslevel:
   

 
 Glück

Taktik 

leer
     
   
   

 

 
Brügge
 
Einwohnerzahl: 165... und du!
Alle Welt schaut eigentlich auf die florierende Handelsmetropole Brüssel, aber ihr wollt natürlich euer Stück vom Kuchen. Oder von der Praline. Wir sind ja in Belgien. 
 


     

So funktioniert's:
In diesem taktischen Familienspiel nutzt ihr also nun eure Handlanger und die Bewohner Brügges, um am Ende der einflussreichste Bruggeling (die Einwohner Brügges heißen in der Landessprache Bruggelingen) von allen zu sein.


Der Spielplan zeigt Brügge mit seiner historischen Altstadt.

Die Gulden, die verschiedenen Handlanger, Kanalplättchen, die 5 verschiedenfarbigen Würfel und Bedrohungsmarker werden bereit gelegt. Die Statuenplättchen werden gestapelt, wobei die 7 zuerst und die 2 zu unterst liegen, und auf die Statue auf dem Spielbrett gelegt.

Die Spieler erhalten 2 Siegel ihrer Farbe, wovon eines auf ein freies Torhaus auf dem Brett gelegt wird, 2 Spielfiguren ihrer Farbe, wovon eine auf die 0 der Siegpunktleiste kommt und eine auf das Rathaus gelegt wird, die drei Mehrheitenplättchen ihrer Farbe, welche mit der grauen Seite nach oben zeigen, 5 Gulden, 5 Handlanger (je einen pro Farbe) und 2 Übersichtskarten.

Die 165 Einwohnerkarten werden gemischt und in 5 gleiche Stapel aufgeteilt. Entsprechend der Spieleranzahl werden 2 bis 4 Stapel genommen und zusammengemischt. Dann werden sie gleichmäßig auf 2 Stapel aufgeteilt. Die übrigen Karten bilden einen Stapel, der erst in der letzten Runde benötigt wird. Wer zuletzt etwas frittiert hat, wird Startspieler. Und übrigens: Die besten Pommes in meinem Wohnort Bochum gibt es bei Max Frituur, einem Belgier.... ;)

Jetzt geht es auch schon los: Jede Runde besteht aus 4 Phasen. In Phase 1 ziehen die Spieler auf 5 Karten auf. Die Rückseite jeder Karte zeigt auch deren Farbe an. Bei jeder Karte kann einer der beiden Nachziehstapel gewählt werden. Sollte einer der Nachziehstapel leer sein, wird er durch den beiseite gelegten Stapel ersetzt und das Spiel endet nach dieser Runde.


Würfel mit einer 1 o. 2 erlauben den Aufstieg, Würfel mit einer 5 o. 6 bringen Bedrohungen.
   
Auf dem Rathausplatz können die Spieler aufsteigen, um Siegpunkte zu erlangen.
   

In Phase 2 würfelt der Startspieler die 5 Würfel, welche dieselben 5 Farben wie die Handlanger und die Bewohnerkarten zeigen. Jeder Würfel, der eine 5 oder 6 zeigt, bedeutet für jeden Spieler einen Bedrohungsmarker der entsprechenden Farbe. Bekommt ein Spieler seinen dritten Bedrohungsmarker einer Farbe, so muss er die entsprechende Strafe zahlen, darf aber alle Bedrohungsmarker wieder abgeben. Die Strafen bedeuten den Verlust von Geld, Handlanger, Gebäuden, Kanalplättchen, Personen oder Siegpunkten.


Wer den dritten Bedrohungsmarker einer Farbe erhält, erleidet Schaden.

Beginnend mit dem Startspieler dürfen danach alle Spieler entscheiden, ob sie eine Stufe auf dem Rathausplatz aufsteigen, indem sie die Summe der gewürfelten Zweien und Einsen in Gulden bezahlen. Je höher die eigene Figur am Spielende auf der Rathausleiste platziert ist, desto mehr Punkte erhält der Spieler. Wurde weder eine 1 noch eine 2 gewürfelt, ist in dieser Runde kein Aufstieg möglich.

In Phase 3 spielen die Spieler reihum je eine Karte von ihrer Hand und zwar viermal.


Von den beiden Stapeln ziehen die Spieler die farbigen Karten.
   
Die Karten werden u.a. für den Bau von Kanälen benötigt.
   

Spielt der Spieler eine Karte, so kann zwischen sechs Aktionen gewählt werden:
- Die Karte wird abgelegt und 2 Handlanger der Kartenfarbe werden erhalten.
- Die Karte wird abgelegt und Gulden, entsprechend der Augen des Würfels der gleichen Farbe, werden erhalten.
- Die Karte wird zusammen mit einem Bedrohungsmarker derselben Farbe abgelegt und 1 Siegpunkt wird erhalten.
- Entspricht die Karte einem der beiden noch unbebauten Kanalfelder neben dem Torhaus oder eigenen schon bebauten Kanalfeldern, kann diese abgelegt werden, um das Kanalfeld mit einem Kanalplättchen abzudecken. Außerdem müssen die auf dem Kanalfeld angezeigten Gulden bezahlt werden. Handelt es sich um das fünfte Plättchen eines Kanalabschnittes, so darf man sich ein Statuenplättchen nehmen.

- Die Karte wird verdeckt als Haus in die Auslage des Spielers gelegt und ein Handlager der Kartenfarbe muss dafür abgegeben werden.
- Die Person auf der Karte zieht in ein leeres Haus des Spielers ein. Aber anstatt Miete zu bekommen, muss der Spieler die Kosten der Person, welche auf der Personenkarte zu finden sind, in Gulden bezahlen und die Personenkarte offen auf ein Haus legen. Das Haus muss dabei nicht zwingend der Farbe der Person entsprechen.


Um Personen ausspielen zu können, müssen zunächst Häuser errichtet werden.

Personen geben am Ende des Spiels ein Drittel ihrer Kosten in Siegpunkten, außerdem bietet jede Person einen individuellen Vorteil. Es gibt 4 Arten von Vorteilen:
- Einmalige Vorteile werden automatisch und einmalig beim Ausspielen der Person ausgelöst.
- Spielendevorteile bringen am Spielende Siegpunkte in der Regel abhängig von der Auslage des Besitzers.
- Aktivierbare Vorteile können einmalig pro Runde im eigenen Zug durch die Abgabe des angezeigten Handlangers aktiviert werden.
- Sich wiederholende Vorteile werden entweder immer bei bestimmten Ereignissen aktiviert, z.B. immer wenn man eine Person legt, wenn der gelbe Würfel eine 5 oder 6 zeigt, wenn man einen Handlager nimmt usw., oder können einmal pro Runde aktiviert werden, ohne weitere Kosten zu zahlen. Die Vorteile bringen Gulden, Siegpunkte, Handlanger, Karten, Zusatzaktionen oder reduzieren Kosten.

Nachdem jeder Spieler vier Züge gemacht hat, endet Phase 3.

In Phase 4 werden die Mehrheiten, die eigentlich "Meistheiten" sind, überprüft. Ist ein Spieler alleine am weitesten vorne auf der Rathausleiste, darf er sein entsprechendes Mehrheitenplättchen auf die farbige Seite drehen. Der Spieler mit dem längsten Kanal darf sein Kanalmehrheitenplättchen umdrehen. Der Spieler mit den meisten Personen in seiner Auslage darf sein Personenmehrheitenplättchen umdrehen. Alle Plättchen werden nur umgedreht, wenn kein Gleichstand herrscht. Umgedrehte Plättchen bleiben umgedreht, selbst wenn die Mehrheit/"Meistheit" verloren geht. Jedes Plättchen bringt bei Spielende 4 Siegpunkte.

Der Startspieler wird im Uhrzeigersinn weitergegeben und eine neue Runde beginnt. Wurde ein Kartenstapel aufgebraucht, kommt der zunächst zur Seite gelegte Stapel ins Spiel. Nach dieser Runde endet die Partie.


M
it einem Handlanger wird die Aktion dieser Personenkarte aktiviert.
   
Die Mehrheitenplättchen werden in Phase 4 ggf. auf die Vorderseite gedreht.
   

Am Spielende addieren die Spieler die Punkte ihrer Personen, Spielendevorteile, die Punkte ihrer Häuser (je einer pro Haus), 3 Punkte für jeden der beiden Kanalabschnitte, in welchem mindestens 3 Kanalplättchen gebaut wurden, die Punkte auf den Statuenplättchen, die Punkte der Mehrheitenplättchen und die Punkte, welche auf dem Feld der Rathausleiste mit der eigenen Figur angezeigt werden. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. Bei Gleichstand entscheidet das Geld. [ls]

Tipp: Damit die Kartenstapel nicht mehr verrutschen, bietet der Hans im Glück-Verlag seit Ende Juni 2013 spezielle "Brügge"-Kartenspender an, die - nach Registrierung - kostenlos über den Verlags-Onlineshop [Link]  bestellt werden können. Der neuen "Brügge"-Auflage (ab Juni 2013) liegen die Spender übrigens bereits automatisch bei.

 
  by Martin Klein* 

leer
Dieses Video gibt es auch in einer vergrößerten > XL-Ansicht
 
Links
 Folgen Sie SPIELKULT.de:
   Facebook     Twitter
     
    Checkpoint
Checkpoint
  PLUS:
PLUS:
taktisches Familienspiel
schnell erklärt
schöne Gestaltung
praktische Spielerübersichten
angenehme Spieldauer
ENDE
  MINUS:
MINUS:
manchmal fühlt man sich als Pechvogel,
   da das Spiel teilweise glückslastig,
   teilweise destruktiv erscheint
leer
PUNKTE-CHECK:
   SPIELIDEE
      Originalität, Regeln
 
   AUSSTATTUNG
      Material, Umfang
 
   SPIELABLAUF
      Mechanik, Einfluss
 
 
     

Lutz:  So, das Feld-Jahr geht weiter. Autor Stefan Feld veröffentlicht 2013 gleich vier große Spiele. "Bora Bora" von alea haben wir schon im April rezensiert, "Rialto" von Hall Games / Pegasus und "Amerigo" von Queen Games folgen noch. "Brügge" wurde von Hans im Glück verlegt. Für dieses Spiel hat Stefan Feld sich wohl von "Ruhm für Rom" inspirieren lassen, zumindest deutete er so etwas in einem Interview an. Hans im Glück ist bekannt für seine Familienspiele, die meist leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern sind. Dies brachte dem Verlag auch schon öfters die "Spiel des Jahres"-Auszeichung. Stefan Feld wiederum macht Strategiespiele bis gehobene Familienspiele. Die Erfahrung lässt mich also ein Familienspiel mit Anspruch erwarten. Und genau das, finde ich, ist "Brügge" auch.

Aber ich fange am besten beim Material an, da man dieses auch als erstes sieht. Dieses ist sehr schön gestaltet und es finden sich viele hilfreiche Symbole. Durch die Erklärungen auf den Übersichtskarten habe ich meinen Mitspielern quasi schon bei der ersten Erklärung viele Dinge erzählt, die sie schon wussten, sprich die Übersichtskarten sind sehr gut. Die Holzfiguren sind auch gut verarbeitet. Lediglich hätte ich mir eine andere Farbe als Rot für die roten Handlanger gewünscht, da diese dasselbe, wie das Material des roten Spielers besitzen, aber das mag auf hohem Niveau gejammert sein. Beim Ausstanzen blieb so manches Mal Papier vom Stanzbogen am Spielmaterial, dies ist weniger erfreulich, aber mit etwas Feingefühl schnell vermieden.

Ein Highlight sind die 165 individuell gestalteten Personenkarten. Hier hat Michael Menzel (bekannt als Grafiker von z.B. "Village", "Thurn und Taxis" u.v.a. oder als Autor von "Die Legenden von Andor") viel Aufwand investiert, um die Karten unterschiedlich darzustellen. Ich stelle mir das entsprechende Gespräch zwischen Stefan Feld und Michael Menzel ungefähr so vor: MM: "Du Stefan, ich mach zu jeder Person 'n individuelles Bild." SF: "Äh Michael, dir ist schon klar, dass das als Frühjahrsneuheit 2013 erscheinen soll?" MM: „Ja das klappt schon. Ich brauche nur bis übermorgen die 165 individuellen Namen der Karten.“ SF: "Ähhh…" [okay, dieser Dialog ist frei erdacht...;)]

Tatsächlich sind die Karten alle individuell, obwohl manche Personen denselben Vorteil bieten und zur Aktivierung nur einen unterschiedlichen Handlager brauchen, oder als Bedingung eine andere Häuserfarbe haben etc. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, de facto sind es 165 nicht gleiche Vorteile, die von den 165 Personen mit Bild und Namen gewährt werden. Alles im allen ist "Brügge" hübsch anzusehen.

Der Spielfluss ist meist schnell, und ohne Erklärung dauert das Spiel die angegebenen 60 Minuten. Am Anfang einer Runde sind die Denkpausen meist etwas länger, aber mehr als eine Runde im Voraus zu planen ist schwierig, denn dann kommen ja die neuen Karten... Ah ja, da kommen wir auch schon zum Knackpunkt: das Kartenglück! Es sind zwei Stapel zu sehen und die Kartenfarbe der obersten Karte ist sichtbar, was also bei jedem Kartenziehen bedeutet, dass man theoretisch eine Chance von 20% hat, dass eine bestimmte Farbe auf der neu aufgedeckten Karte zu sehen ist, und schließlich zieht man im Schnitt 4 Karten in Phase 1 nach.

In einem Lied der deutschen Band Susanne Blech heißt es: "Die Enttäuschung ist kleiner, wenn man Statistiker ist." Denn es nutzt einem leider wenig, wenn man seine gewünschte Kartenfarbe nicht bekommt, dass statistisch gesehen jede fünfte Karte die präferierte Farbe hat. Es ist also klug immer einen Ausweichplan zu haben und auch darauf zu achten, dass mehrere Kartenfarben für einen nützlich sein können. Der Bau von Kanälen, das Besorgen von Geld, Häuser bauen oder Handlagerbeschaffen sind fast immer möglich. Jetzt mag jemand sagen: Ja, aber beim Beschaffen von Geld muss man ja wieder würfeln - und erneut Glück haben. Ja, schon, aber das Ergebnis gilt eben für alle. Viele Kartenfarben werden für einen bestimmten Zweck gezogen und nun ist die Karte auf einmal total viel Geld wert und man braucht sie auch, um den Bedrohungsmarker loszuwerden. Also, was tun? Ganz klar: Entscheidungen treffen!

Wer stur an einer Strategie festhalten möchte, ist bei "Brügge" falsch. Hier ist ständiges Umdenken gefragt. Gibt es eine günstige Gelegenheit die "Meistheiten" zu erhalten, sollte diese ergriffen werden. Dies ist aber oft erst in den letzten 2 Aktionen der anderen Spieler in einer Runde erkennbar. Und dann dieses Gefühl, wenn man sich von einer der Personen trennt, weil sie zu Geld gemacht werden muss…

Ach ja, die Personen. 165 sind es, und man will jede in die eigene Auslage holen. Leider ist dies nicht möglich, und es muss entschieden werden, wer die eigene Gruppe am besten ergänzt. Und wen man später zieht, das kann man ja nicht hellsehen. Es braucht ein paar Runden, bis man das Fingerspitzengefühl für die Personen hat und weiß, wer gelegt werden muss und wer nicht. Jede Person hat ihren Nutzen und kann zur richtigen Zeit sehr stark sein. Die Personen, die aber offensichtlich für alle und jederzeit gut sind, kosten 12 Gulden, und das ist viel Zaster. Wenn man da nicht auf die Bedrohungsmarker achtet, kann das viele Geld schnell in den Sand gesetzt werden. In meinen bisherigen Runden, waren es aber nicht diese sehr stark erscheinenden Karten, die das Spiel entschieden haben.

Auch die furchtbaren Ärgerkarten, von denen man ein paar findet, scheinen alleine nicht zum Sieg zu reichen. Denn "Brügge" kann ein ganz schönes Ärgerspiel sein. Nicht nur, dass bei vielen hohen Würfen die Bedrohungsmarker euch nur so um die Ohren fliegen, nein, die Mitspieler können auch ganz schön gemein sein. Ein paar der Personen verteilen an die Mitspieler mehr Bedrohungsmarker, zünden Häuser an, töten Personen usw. So was kann schon mal zu emotionalen Ausbrüchen führen. A propos Ärger: Bei "Brügge" kann es leider auch passieren, dass einem Spieler das Gefühl überkommt, nie die richtigen Karten zu ziehen. Die falschen Personen, die falschen Farben, alles falsch… Hier scheint man wirklich vom Pech verfolgt. Ob dies nun an einer Fehlplanung oder wirklich an Fortunas Missgunst liegt, kann ich vermutlich erst nach 100 Partien "Brügge" genau sagen.

Fazit: Mir und den meisten meiner Mitspieler gefiel "Brügge" als (gehobenes) Familienspiel. Ich denke, mit 10 Jahren (was die Altergrenze des Verlags ist) sollte ein Kind "Brügge" spielen können. Das Glück spielt eine groß genügende Rolle, so dass jeder Spieler eine Chance auf den Sieg hat, die er durch geschicktes Spielen seiner Personen drastisch verbessern kann, aber der Glücksanteil ist nicht so hoch, dass man das Gefühl hat, nur gespielt zu werden… na gut, vereinzelt fühlten sich Leute durch Fortuna arg benachteiligt. Mit jähzornigen Menschen solltet ihr "Brügge" daher vielleicht besser nicht spielen, denn die ein oder andere Personenkarte wird - zum richtigen Zeitpunkt gespielt - eure Mitspieler in Schnellkochtöpfe verwandeln...
 (> Video)
 

 
   KULT-FAKTOR
      (Langzeit-)Spielreiz
 
Ende
     
 
     

Ingo: "Brügge" sehen und sterben - oder lieb gewinnen? Dieses Spiel polarisiert zweifelsohne! An meiner Wertung sieht man direkt: Ich gehöre zu den Anhängern der belgischen Stadt, die Stefan Feld als thematische Grundlage verwendet hat. Die Vielseitigkeit der 165 Personenkarten, die man geschickt kombinieren muss, um am Ende als Sieger dazustehen, hat es mir - genau wie die Gestaltung - angetan.

Kritischen Stimmen in meinen Testrunden war zu viel Glück im Spiel. Ja, in der Tat besitzt "Brügge" einen nicht von der Hand zu weisenden Glücksfaktor, der gerade beim Ziehen der Farbkarten schon einmal den eigenen Geduldsfaden auf die Probe stellt. Wenn partout nicht die Farbe kommt, die man sich wünscht, muss man seine gerade zuvor ausgeklügelte Strategie schnell überdenken - und aus dem Vorhandenen das Optimum herausholen. Optimierung statt langfristige Planung, das ist hier also das Prinzip.

Und ein weiterer Punkt sorgte in manchen Runden bei manchem Mitspieler für Unmut: Die scheinbar willkürlich destruktiven Elemente sind nicht jedermanns Sache. So kann es passieren, dass ein Spieler eine Personenkarte ausspielt, die anderen Spielern schadet - ohne, dass diese sich wehren können. Ja, Neulinge, die nicht wissen, was auf sie zukommen kann, können da schon einmal gefrustet sein.

Wer Glück in strategischen Spielen nicht mag und es nicht verknusen kann, sich Aufgebautes zerstören zu lassen, der sollte ein anderes Reiseziel als Brügge wählen. Ich selber habe mich weder vom Glücksfaktor noch von den zerstörerischen Absichten meiner Mitspieler abschrecken lassen - im Gegenteil: Bei mir war diese Mischung quasi "Liebe auf den ersten Blick" ;) Und wer das Spiel einmal für sich entdeckt hat, der wird viel Freude daran haben. Je öfter man es spielt, umso stärker ist man dann auch gegen die Risikofaktoren gewappnet. Für mich wurde Stefan Felds Idee daher zu Recht zum "Kennerspiel des Jahres 2013" nominiert. 8 Punkte! (> Video)

 

 
   KULT-FAKTOR
      Zweitmeinung
 
Ende
     
 
     

Tobias: "Brügge" ist ein Spiel, das polarisiert. Es gibt sowohl unter den Wenig-, Familien- als auch Vielspielern viele, die es mögen und auch genug, deren Fall es nicht ist. Auch in unserem internen SPIELKULT.de-Forum wurde noch nie eine so erbitterte Diskussion geführt, wie gut gemacht das Spiel nun sei.

Der Reiz an dem Spiel liegt zum Einen an der Neugier auf die Karten, die man zieht und dann vorteilhaft in Kombinationen einzusetzen versucht und das Hoffen auf gute Würfe der Würfel. Zum Anderen muss man taktisch reagieren, es sind andauernd kleine neue Herausforderungen zu meistern, und das Prinzip mit den Bedrohungsmarkern erscheint interessant. Weiterhin schön ist, dass das Spiel schnell erklärt werden kann und keine allzu lange Spieldauer benötigt.

Viele empfinden auch die Grafik von Michael Menzel als gelungen. Mir hingegen gefällt sie nur mittelmäßig, besser finde ich z.B. die Illustrationen aus "Andor". "Brügge" ist mir da etwas zu schlicht und farblos geraten mit seinen vielen braun und grau-Tönen. Die vielen Figuren auf den Karten wirken auch etwas blass. Und die Häuser, die gebaut werden, gleichen eher den tristen Lagern aus der Speicherstadt und sind alle identisch, sogar mit derselben Hausnummer [Anmerkung von Ingo: äh, meinst du die 1? Das sind Siegpunkte! ;)]. Hier hätte ich mir gewünscht, dass jede Farbe eine andere Häuserrückseite bekommt, so dass das eigene Viertel nicht wie ein Spiegelsaal aussieht. Dies alles sind aber nur atmosphärische Feinheiten.

Nun komme ich auf die, meiner Meinung nach, wirklich "dunkle Seite" des Spiels zu sprechen. Das Kartenziehen kann wirklich nur sehr begrenzt gesteuert werden, da man nur eine Auswahl von zwei Optionen besitzt. Die Personen kommen zufällig auf die Hand, ihre Auswahl ist nicht planbar. Hier herrscht also schon mal ein recht großer Glücksfaktor. Weiter geht’s mit den Würfeln, die natürlich vollkommen glücksabhängig fallen. Die Bedrohungsmarker erscheinen hier mit einer Wahrscheinlichkeit von 33%. Die Kosten der Rathausleiste sind ebenfalls zufällig. Ob man für seine Karten die entsprechende Farbe der Handlanger besitzt, ist oft ebenfalls vom Glück anhängig. Das Geld, das man für eine Karte erhält, ist rundenweise zufällig. Dass die Karte, die man nicht einsetzen will, für das Ablegen eines bestimmten Bedrohungsmarker reicht, ist zum großen Maße glücksabhängig. Das man geeignete, starke Bewohner zieht ist, zufällig. Ob ein anderer Spieler Personen besitzt, die einem Schaden können, ist glücksabhängig. Das Karten Synergie-Effekte ergeben, entscheidet der Zufall...

Hat man dann diese gewaltige Summe an Zufallselementen überstanden, darf man ein wenig taktieren. Meistens gibt es aber nur eine optimale Lösung neben vielen schlechten Möglichkeiten. Diese gilt es zu sehen und auszuspielen. Bewusste Entscheidungen in bestimmte Richtungen kann man so gut wie nicht treffen, es sei denn, man wählt extra eine suboptimale Aktion aus. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass das Spiel mich spielt, da die Fülle an Möglichkeiten, die das Spiel zunächst vorgibt, gar nicht existieren. Ja, es passieren viele verschiedene Dinge, das hat auch einen gewissen Unterhaltungswert, aber die wirkliche eigene Leistung ist für mich gering.

Als ein weiteres Problem an diesem Spiel erachte ich die geringe Interaktion. Es gibt zwar ein kleines indirektes Wettrennen auf der Rathausleiste und den Kanälen. Aber auch die Karten spielt man vor allem für sich selber, es sei denn, man nutzt eine der ganz klar in der Unterzahl vertretenden Karten, die anderen schaden. Zum anderen kann man beim Kartenziehen beim letzten Zug bewusst jemanden eine Kartenfarbe verwehren. Dass man anderen schaden kann, finde ich persönlich an dem Spiel übrigens nicht negativ. Viel mehr stört mich aber gewaltig, dass die Karten auf mich total unausbalanciert wirken. In meinen Testrunden war immer eine Person am Tisch, die keine Siegchance besaß, weil sie einfach nur schlechte und nicht zusammenpassende Karten erhielt. Andere bekamen hintereinander immer wieder treffende und starke Karten. Das geht mir über den üblichen kleinen Ärgerfaktor, der Spiele interessant macht, hinaus. Bei "Brügge" kann man so viel optimieren, wie man will, ohne die richtigen Karten und Würfel (zum richtigen Zeitpunkt), kommt man auf kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Dieses Spiel würde ich daher eher in die Kategorie eines (reinen) Unterhaltungsspiels einordnen. Man spielt "Brügge", weil man mit netten Leuten zusammensitzen will und etwas Ablenkung dabei braucht. Anstatt gemeinsam bei einer Show zu bestimmten Kandidaten zu halten oder bei Sportmannschaften mitzufiebern, hat man hier wenigstens etwas Einfluss auf die Gestaltung und den Sieger. Man sollte einfach neugierig sein, schauen was passiert und hat ständig etwas zu tun, auch wenn die Auswirkungen verhältnismäßig sehr begrenzt sind. Sehr zum Empfehlen ist auch das Fazit vom Martin in der Videoerklärung ab Minute 14:47 mit einem versöhnlichen Abschluss.

Betrachte ich "Brügge" als Spiel an sich, vergebe ich 5 Punkte, als reine Unterhaltungsshow, bei der man sich selber nicht zu ernst nimmt, 7 Punkte. (> Video)

 

 
   KULT-FAKTOR
      Zweitmeinung
 
Ende
 
 
Wen's interessiert...    
> Ruhm für Rom   > Strasbourg
Ende
 

* Hierbei handelt es sich um ein externes, von SPIELKULT.de unabhängiges Video-Angebot von spielerleben.de. Vielen Dank an Martin Klein für die freundliche Genehmigung, die Videos auf SPIELKULT.de verlinken zu dürfen!

 
 
 

   > So testen wir
       
    Alle Spiele
von A bis Z:

 
Auswahl
# A B C
D E F G
H I J K
L M N O
P Q R S
T U V W
X Y Z #
 

 

 

 

 
 

 

         
     
(C) SPIELKULT.de ^^^